Es gibt in Köln die Tradition, dass die katholische und die evangelische Kirche in der Vorweihnachtszeit eine gemeinsame Adventsvesper feiern. Wie jedes Jahr fand sie am Vorabend zum 1. Advent statt, in diesem Jahr am 28. November in der romanischen Kirche Sankt Aposteln am Neumarkt. Dieses Jahr stand die Schöpfung im Mittelpunkt des Gottesdienstes und es wurde entschieden, dass die Kollekte an ein ökumenisches Pflanzprojekt gehen soll, das sich der Essbaren Stadt angeschlossen hat. Denn dort werden auch Nutzpflanzen angebaut. – Das ist von Anfang an ein wichtiges Ziel, auf das die Essbare Stadt besonderen Wert legt.

Die Wahl für das „Weihnachtsgeld“ fiel auf den Kartäusergarten, einen öffentlichen Gemeinschaftsgarten, der in einem ehemaligen katholischen Kloster liegt, das heute der evangelischen Kirche gehört. Das Projekt wurde Anfang 2019 gegründet und hat sich durch die engagierten Gärtner*innen und die Unterstützung durch die Gemeinde gut entwickelt. Es ist grundsätzlich für alle Interessent*innen offen und bietet viele verschiedene Möglichkeiten, sich gärtnerisch zu betätigen.

Die Kollekte fiel in diesem Jahr nicht besonders hoch aus, weil wegen der Mindestabstände nicht alle Plätze besetzt werden durften. Trotzdem freuen sich die Gärtner*innen des Kartäusergartens und mit ihnen der Ausschuss Essbare Stadt über die Anerkennung. Für das kommende Gartenjahr gibt es viele Pläne, für die eine kleine Finanzspritze gerade recht kommt. Dazu gehören die Neuanlage eines weiteren Gemüsebeets, der Bau von Hochbeeten, die Ansiedelung Historischer Rosensorten und die Anschaffung von Regenwassertonnen.

In diesem Jahr mussten die Kartäusergärtner*innen wegen der Corona-Situation den Zugang zum Garten je nach Lage immer wieder beschränken oder sogar ganz einstellen. Für einen Gemeinschaftsgarten, der auf die Unterstützung möglichst vieler ehrenamtlicher Gärtner*innen angewiesen ist, bedeutete das eine große Herausforderung an die Arbeitskraft einiger Weniger. Auch ist es natürlich unendlich schade, wenn Gemeinschaftsgärten weitgehend auf Begegnungen und Feiern verzichten müssen.

Trotz der Einschränkungen ist es den Kartäusergärtner*innen gelungen, in Kooperation mit der AGORA und der Stadt Köln im Frühsommer ein Parklet zu bauen. Bis Ende Oktober standen große Pflanzkisten, verbunden mit Sitzbänken auf der Kartäusergasse. Dort, wo sonst ein Auto parkt und öffentlichen Raum beansprucht, wuchsen für einige Monate bunte Blumen, Kräuter und Gemüse und luden Passant*innen zu einer kleinen Rast ein. Die Resonanz darauf war so groß und positiv, dass die Gärtner*innen beschlossen, das Parklet auch nach Ablauf der städtischen Genehmigung Ende Oktober, einige Meter weiter im Eingangsbereich der Kartause wieder aufzustellen. Für das kommende Jahr wünschen sich die Gärtner*innen vor allem, dieses Kleinod in der Südstadt wieder stärker der Öffentlichkeit zugänglich machen zu können und neue Mitstreiter*innen für den alten Klostergarten begeistern zu können.

Text: Ingrid Mehmel und Helga Fitzner
Fotos: Ingrid Mehmel