Am Anfang braucht es meist einen Ort zum Starten des Gartens und mindestens 2-3 Gartenpionier*innen, dann kann es mit folgenden Schritten losgehen.

Mitgärtner*innen finden:

  • Zeitungsartikel – Lokalredakteur*innen berichten gern über Gemeinschaftsgärten
  • Auftakt mit Mitbringpicknick auf der Gartenfläche
  • Handzettel im nachbarschaftlichen Umfeld verteilen: Briefkästen, Geschäfte, soziale Einrichtungen
  • Mund-zu-Mund-Propaganda
  • Digitale Netzwerke wie nebenan.de oder Facebook-Gruppen
  • einen kleinen Bereich auf der Fläche schon mit Blumen und Gemüse bepflanzen, um Neugier zu wecken – je kleiner die kultivierte Fläche am Anfang ist, desto weniger Stress entsteht beim Gartenstart!
  • feste wöchentliche Gartenzeiten auf der Fläche – im Kontakt mit den Passant*innen entsteht nebenbei die beste und einfachste Öffentlichkeitsarbeit
  • eine (einfache) Infotafel aufstellen: „Hier entsteht ein Gemeinschaftsgarten“ mit Ansprechpartner, E-Mail-Adresse oder Telefonnummer

Die Fläche: Treffpunkt im Veedel zum gemeinschaftlichen Gärtnern

Ob es beim Start zum Gemeinschaftsgarten zuerst die Fläche oder die Mitstreiter*innen braucht, ist eine Henne-oder-Ei-Frage. Es lässt sich nicht definitiv beantworten und kommt meistens auf den Einzelfall an. Meistens ist beides zusammen gut. Wo eine Fläche zur Verfügung steht, können sich Menschen finden und wo Menschen Lust haben gemeinsam die Hände dreckig zu machen, wird sich auch eine Fläche für den Garten auftreiben lassen. Die Stadt Köln ist beim Gärtnern auf ihren eigenen öffentlichen Flächen noch zurückhaltend. Viele öffentlich zugängliche Flächen sind aber auch im Besitz privater oder halböffentlicher Einrichtungen (z.B. Kirchengemeinden, Deutsche Bahn, …). Bei einer potentiellen Fläche Besitzer*in ermitteln und ansprechen. Dann können auch die rechtlichen Voraussetzungen geklärt werden. Bei der Wahl der Fläche ist es ratsam, dass die meisten Gärtner*innen aus der nächsten Nachbarschaft kommen. Bei weiten Wegen verlieren viele schnell die Lust.

Kooperationspartner*innen finden:

Kirchengemeinde, Schule, Kita, soziale Einrichtungen für Langzeitarbeitslose oder Menschen mit Behinderungen, Flüchtlingsunterkunft, Sport- und Kleingartenvereine, etc. können Kooperationspartner sein. Das heißt, evtl. übernehmen sie eine Beetpatenschaft oder kleine Aufgaben im Garten, z.B. indem sie ihren Bioabfall auf den Kompost bringen oder sind auf andere Weise behilflich, z.B. dass bei ihnen Gießwasser für geringes Entgelt entnommen werden kann.

Gemeinsame Planung:

Mit denen, die mitgärtnern wollen, mehrere Planungstreffen verabreden. Hier wird gemeinsam überlegt, wie der Garten angelegt werden soll (Beete, Wege, Picknickecke, Kompostecke, etc.) und was angepflanzt werden soll. Ganz wichtig ist auch, vorläufige Regeln abzusprechen wie man gemeinschaftlich gärtnern will.

Konkrete Aufgaben:

Pragmatisch starten, aber ohne Planung geht es genauso wenig. Das heißt das richtige Maß aus Planung und Pragmatismus finden. Tipp dazu: erstmal klein anfangen. Jedes verwirklichte Mini- Projekt motiviert zu neuen Taten und schweißt zusammen.
Eine „Pack’s-an-Liste“ zeigt immer an, welche Aufgaben gemacht werden müssen. Große gemeinsame Aktionen bieten sich für einen „Hau-rein-Tag“ an, an dem auch Interessierte von außen sehen,

a)  dass sich etwas tut und

b)  in die Gartenarbeit schnuppern können.

Wer einen Gemeinschaftsgarten gründen möchte, sollte sich unbedingt einen bestehenden Garten anschauen und mit den Gärtner*innen über die eigenen Pläne sprechen. Auch der Austausch in einem der Treffen der Urbanen Gärten Kölns ist für den Start Gold wert.

Organisatorische und technische Vorbereitungen:

  • Eine verschließbare Gerätekiste ist notwendig, in der die Gartengeräte sicher aufbewahrt werden
  • Gartengeräte über Spendenaufruf in der Zeitung oder über ebay für wenig Geld beschaffen
  • Wasserzugang muss geklärt werden: Regentonnen mit Regensegel – die Möglichkeit, Regenwasser von Hausdächern in der Nachbarschaft des Gartens zu nutzen – Wasserpumpe – 2x jährlich über Standrohre mehrere Wassercontainer befüllen
  • Picknickecke gestalten. Da ein Gemeinschaftsgarten gleichzeitig ein Nachbarschaftstreff ist, sollte überlegt werden, wo eine Sitzecke hinpasst. Am besten am schattigsten Platz im Garten, dort wächst sowieso weniger und die Gärtner*innen sind im Sommer dankbar in der Pause im Schatten zu sitzen. Möblierung der Sitzecke geht gut über upgecyceltes Material

Kosten:

Kosten sollten keine Hürde sein. Generell sind Gemeinschaftsgärten so angelegt, dass möglichst wenig Geld benötigt wird. Die Idee hinter einem Gemeinschaftsgarten liegt neben der Gemeinschaft auch darin erfinderisch zu sein, Materialien zu recyceln, selber herzustellen und ein anderes Verhältnis zum Konsum zu bekommen. Materialien können z.B. auch aus Spenden oder Sponsoring hervorgehen. Gelder können aber trotzdem über verschiedene Quellen eingeworben werden. Das könnten Preisverleihungen für Umwelt-/Bürger*innenengagement sein, Mittel, die bspw. bei den Bezirksvertretungen abgerufen werden können, Beantragung von Fördergeldern, Schenkungen, etc. Auch ein Crowdfunding bietet sich an. Dabei ist zu empfehlen, dass Geld für ein ganz konkretes Projekt, z.B. ein spezielles Hochbeet, gesammelt wird.

Dennoch anfallende monetäre Kosten können z.B. aus Teilnahmen an Preisverleihungen o.ä. sowie beispielsweise aus einem Mikrofonds für die Essener Gemeinschaftsgärten gedeckt werden. Bei letzterem befinden die Gärtnernden gemeinschaftlich über die „Beantragung“ und Verwendung der Gelder.

Jeder Garten braucht je nach Größe mindestens einen, besser zwei oder drei langfristige Kümmerer*innen.

Kontinuität ist ein wichtiger Erfolgsfaktor:

Es sollten wöchentliche gemeinschaftliche Gartenzeiten verabredet werden, die nach Möglichkeit auch eingehalten werden. Neue können so sehr einfach zur Gartengruppe dazu stoßen.

Ansprechpartner*innen:

Diese Tipps basieren auf dem Leitfaden„Soziale Aktivierung zum gemeinschaftlichen Gärtnern“ – ein Leitfaden für die partizipative Förderung von Gemeinschaftsgärten in Städten und Quartieren“ (FH Dortmund/Stadt Bottrop; 2016),Erfahrungen aus diversen Gemeinschaftsgärten und einer Handreichung der Stadt Essen aus dem Jahr 2017.