Aktionsplan

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Anfang 2018 wurde die Version 1.0 des Aktionsplanes auf dem BarCamp vorgestellt und mit 250 Teilnehmer*innen diskutiert und Themen weiter vertieft. Seit April 2018 liegt der Aktionsplan nun ausformuliert in der Version 2.0 der Öffentlichkeit vor. Auf der Grundlage dieses Aktionsplans arbeiten wir momentan zusammen mit dem Grünflachen- und Umweltamt eine beschlussfähige Vorlage für den Stadtrat aus. Geplant ist, dass im Frühjahr 2019 der Ausschuss Umwelt und Grün des Kölner Stadtrats über die Vorlage abstimmt.

ZUSAMMENFASSUNG

Bei der Essbaren Stadt Köln geht es um Erzeugung von Lebensmitteln für Mensch und Tier, mit Menschen aus und in der Stadt und im städtischen Umfeld – so unsere Arbeitsdefinition.

Dies leistet einen konkreten Beitrag zu einer nachhaltigen Ernährung – aber auch zu einem neuen Bewusstsein für Ernährungsfragen, für Nachbarschaft und Gemeinschaft, für Empowerment und das Erlernen neuer Fähigkeiten, Gesundheit, Klimaschutz sowie die Bewahrung und Förderung von Artenvielfalt und Biodiversität.

Die Essbare Stadt Köln ist inspiriert von Modellen in Kleinstädten wie Todmorden oder Andernach, übersetzt diesen Impuls aber in verschiedene Arbeitsfelder, damit sich die Essbare Stadt auch in Strukturen der Großstadt umsetzen lässt. Arbeitsgruppen haben dabei zu folgenden Themen Vorschläge ausgearbeitet:

  • Bei essbarem öffentlichen Grün geht es um die zunehmende Bepflanzung von Parks, öffentlichen Plätzen und Seitenstreifen der Stadt mit essbaren Pflanzen für Mensch und Tier. Auch öffentlich zugängliche Obstwiesen sind ein Teil des öffentlichen Grüns. Hier fordert die Arbeitsgruppe, künftig verstärkt Essbares auf öffentlichen oder öffentlich zugänglichen Flächen anzubauen.
  • Urbane Gemeinschaftsgärten sind offene, partizipative Gärten, oft auch Brachflächen, wie es sie in manchen Vierteln schon gibt. Die Arbeitsgruppe setzt sich für einen Gemeinschaftsgarten in jedem Stadtviertel ein.
  • Kleingärten und Kleingartenvereine sind die Pioniere der Essbaren Stadt – die Arbeitsgruppe fordert, die bestehenden Kleingartenflächen um 10 % zu erweitern und dass Kleingartenvereine sich untereinander und mit anderen Gartenakteuren vernetzen und Artenvielfalt systematisch fördern.
  • Die Partizipative Landwirtschaft bringt die professionelle Erzeugung von Lebensmitteln mit Bürger*innen zusammen – auf gepachteten Äckern oder über Modelle der Solidarischen Landwirtschaft. Ein Acker an jeder Straßenbahnlinie ist ein Ziel.
  • Mit dem Gärtnern in Bildungseinrichtungen soll die Essbare Stadt in etablierte Strukturen und an neue Zielgruppen herangetragen werden. In Schulen werden Kinder und Jugendliche neu ans Gärtnern und Ernährungsthemen herangeführt.
  • Ähnlich funktionieren Firmengärten. Hier begegnen sich Kollegen und Kolleginnen über ein neues verbindendes Thema.
  • Beim privaten Gärtnern geht es um Hausgärten, Hinterhofgärten, Balkone und Fensterbretter – und Ideen für Kampagnen, um hier den Anbau von Essbarem zu fördern.

Der Aktionsplan wurde auf zwei Themengipfeln im Herbst 2017 sowie von fast hundert engagierten Aktiven in acht Arbeitsgruppen erstellt. Er ist eine Reaktion auf die Beschlussvorlage des Ausschusses Umwelt und Grün des Stadtrats Köln und zeigt sowohl bürgerschaftliche als auch politische Ziele und Maßnahmen für die Essbare Stadt auf. Er soll als Grundlage für Projekte in den Stadtvierteln, ob von Bürger*innen oder Verwaltung sowie von weiterführenden kommunalen Beschlüssen zur Essbaren Stadt dienen.

Wir wünschen gute Gemeinschaft, gute Ernte und guten Appetit!

TEAM

Mitglieder der Arbeitsgruppen

AG Stadtentwicklung/Biodiversität

Moderator*innen: Stephan Mehlhorn, Volker Ermert

Mitglieder: Betina Küchenhoff

AG Essbares öffentliches Grün

Moderator*innen: Mildred Utku, Katerina Brandes, Sönke Geske (AG Streuobstwiesen)

Mitglieder: Vera-Lenn Heijnen, Alexander Follmann, Andrea Eßfeld, Annette Eichler, Bärbel Zender, Christine Franke, Dirk Kerstan, Florian Schwinge, Gerlinde Braun, Ingrid Gossner, Joachim Fritz, Judith Rechenmacher, Julia Frericks, Lea Schröder, Manfred Adams, Maria Potthoff, Michael Raschke, Olga Moldaver, Sarah Hambuch, Sven Johannsen, Stephan Mehlhorn, Wilfried Becker, Astrid Bremer, Claudia Bost, Vera Collet, Silvia Lipski, Kerstin Kopp

AG Privates Gärtnern

Moderator*innen: Ingrid Gossner, Silke Meilwes

Mitglieder: Benjamin Merci, Volker Ermert, Susanne Kosub, Lucie Orgassa, Darya Hirsch, Mart Bakker, Astrid Bremer

AG Urbane Gemeinschaftsgärten

Moderator*innen: Dorothea Hohengarten, Camilla Zühl-Lang, Yvonne Klein

Mitglieder: Helga Fitzner, Oliver Hansmann, Nadia Ben Brahim, Alexandra Feld, Michael Raschke, Dirk Kluwig, Annette Eichler, Maria Potthoff, Vera Collet, Julia Frericks, Úrsula de Miranda Fleming, Alex Follmann, Eike Wulfmeyer, Ingrid Gossner, Birgit Scherer-Bouharroun

AG Kleingarten/Kleingartenvereine

Moderator*innen: Sonja Langner, Joachim Fritz, Wilfried Becker

Mitglieder: Eike Danke, Manou Fuchs, Alexandre Ludwig, Volker Ermert, Rene Gottschalk, Lea Schröder, Ann-Marlen Hailing, Andrea Eßfeld, Anne Loos, Julia Rischke, Giana Maier-Quadt, Annette Schwarz, Helena Schmitz-Pfeiffer, Sarah Fitzek, Annette Hillig, Michael Daun, Oliver Hansmann, Rolf Hubrich, HP Fischer, Luisa Barbas, Alexander Follmann, Lucie Orgassa, Alexa Schiefer, Rainer Kiel, Rafael Struwe

AG Partizipative Landwirtschaft

Moderator*innen: Michael Müller, Martien Bakker, Oliver Hansmann, Zoe Heuschkel

Mitglieder: Dirk Kluwig, Sebastian Ruhs, Darya Hirsch, Martien Bakker

AG Bildungseinrichtungen

Moderator*innen: Bernd Risch, Dr. Jörg Restemeyer

Mitglieder: Gisela Stahlkofen, Manfred Adams, Katharina Schwartz, Hans van Ooyen, Dr. Rosi Hoeppner, Dr. Sonja Eisenbeiß, Betina Küchenhoff, Manuel Wiemann, Frank Bowinkelmann, Maria Potthoff, Lucie Orgassa, Michael Müller, Dirk Kluwig, Eike Danke, Sandra Jungherr, Andrea Eßfeld, Bernd Risch, Karin Börner, Anna Heinermann, Carrie Dohe

Redaktionsteam Aktionsplan:

Sonja Langner, Martin Herrndorf, Frank Bowinkelmann, Johannes Arens, Yvonne Klein

Mitglieder Steuerungsgruppe & Ausschuss Essbare Stadt

Anna Wissmann, Stefanie Hundsdorfer, Sarah Mewes, Martin Herrndorf, Dorothea Hohengarten, Sonja Langner, Silke Meilwes, Ingrid Gossner, Peter Glaremin, Katerina Brandes, Mildred Utku, Volker Ermert, Stephan Mehlhorn, Vera Lenn-Heijnen, Sönke Geske, Bernd Risch, Jörg Restemeyer, Camilla Zühl-Lang, Yvonne Klein, Sonja Fiegen, Michael Frenger, Benno Giepmann, Günter Hecker, Thilo Hönerlage, Anna Hörnes, Marcel Hövelmann, Lilia Katona, Heinz-Georg Kleinschmidt, Dirk Kluwig, Isabel Möhrle, Ralf Ritter, Thorsten Schelhorn, Mareike Schrock, Katharina Schwarz, Valentin Thurn, Eike Wulfmeyer, Vincent Wind, Verena Süß, Hans van Ooyen, Birgit Scherer-Bouharroun, Leonore Kampe, Sigrid Ellermeyer, Zoe Heuschkel, Dr. Sonja Eisenbeiß, Susanne Kabisch, Alicia Bustillos, Annette Eichler, Harry Mehwald, Metin Canfes, Nina Fuchs, Michael Tysganov, Janina Knöll, Svenja Reyer, Marlene Lorenzen, Robin Kordsmeyer, Daniel Wirz, Sebastian Ruhs, Niki Kern, Barbara Homann, Tore Mundt, Petra Kocima, Wenke Hansen, Johanna Werz,Eva Rautenberg, Hermann Weische, Paula Hehnen, Kirsten Heinen, Bodo Empt, Diana Barthel, Johannes Liesegang, Jasper Hoffmann, Patricia Hoepp, Florian Sander, Johannes Arens, Frank Bowinkelmann, Francesco Basili, Wolfram Lüders

1. EINFÜHRUNG

Was ist die Essbare Stadt Köln, warum ist sie spannend und warum braucht es einen Aktionsplan? In dieser Einführung in das Thema versuchen wir, ein paar Antworten zu geben.

1.1 Definition – Was ist die Essbare Stadt?

„Essbare Stadt“ ist eine Idee, die, aus England kommend, heute immer mehr Städte dazu anregt, wieder selbst Lebensmittel im urbanen Raum herzustellen. Eine verbindliche Definition der Essbaren Stadt gibt es bislang nicht – wir haben uns auf eine Arbeitsdefinition geeinigt:

Bei der Essbaren Stadt geht es um die Erzeugung von Lebensmitteln für Mensch und Tier, von und mit Menschen aus und in der Stadt und im städtischen Umfeld.

Diese Definition umfasst auch das, was im Verständnis der Stadt Andernach zur Essbaren Stadt gehört: Der Anbau von Gemüse und Obst in öffentlichen Grünanlagen. Sie öffnet das Konzept aber zugleich für anderen Formen des Gärtnerns in der Stadt – wie in urbanen Gemeinschaftsgärten, in Bildungseinrichtungen, in Firmen-, Schreber- oder Privatgärten.

Gemeinsam ist diesen Aktivitäten der Essbaren Stadt, dass sie einen offenen, gemeinschaftlichen und partizipativen Charakter haben. Sie unterscheiden sich darin, ob der Fokus eher auf der Erzeugung von Lebensmitteln liegt, wie bei Mietäckern oder bei der Solidarischen Landwirtschaft, oder ob Gemeinschafts- und Bildungsaspekte im Vordergrund stehen, wie in Urbanen Gemeinschaftsgärten oder Schulgärten.

1.2 Hintergrund

Im 21. Jahrhundert wird unsere Welt vermehrt mit globalen Krisenphänomenen auf allen Ebenen konfrontiert. Gleichzeitig ziehen immer mehr Menschen in die Städte. Urbane Räume bilden Knotenpunkte, an denen soziale, ökologische und ökonomische Probleme sichtbar werden. Gerade deshalb kann genau hier ein Wandel ansetzen.

Verlust der Biodiversität

Die Vielfalt der Pflanzen- und Tierarten nimmt weltweit kontinuierlich ab. Der Mensch ist durch seine Lebens- und Wirtschaftsweise der Hauptverursacher dieses Rückgangs. Gründe für dafür sind die Zerstörung der Lebensräume, zunehmende Umweltverschmutzung und die Übernutzung natürlicher Ressourcen. Auch der Klimawandel trägt zu dieser Entwicklung bei.

Über Jahrtausende hinweg wurden ca. 3.000 Sorten Weizen, 5.000 Sorten Reis und 6.000 Sorten Mais gezüchtet. Heutzutage werden jedoch nur noch wenige Hochleistungssorten angebaut. Weltweit liefern nur 30 Arten etwa 95 % der pflanzlichen Nahrungsmittel. Der Rest wird kaum noch verwendet und droht unwiederbringlich zu verschwinden.

Auf Seite der Insekten beschäftigt uns heute vor allem das Bienensterben. Als Bestäuber sind Bienen überlebensnotwendig. Albert Einstein soll gesagt haben „Wenn die Bienen verschwinden, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben; keine Bienen mehr, keine Pflanzen, keine Tiere, keine Menschen mehr.“ So besteht die Frage, ob der massive Artenschwund auch die Menschheit einmal selbst bedrohen wird.

Anonyme Lebensmittelproduktion

In vergangenen Jahrhunderten war die private Produktion von Lebensmitteln der Regelfall, heute findet sie kaum noch statt. Die Vorteile industrialisierter Produktion von Lebensmitteln schienen offensichtlich und überzeugend: Kosten, Zeit, Komfort, Sicherheit. Wir können Tomaten das ganze Jahr über genießen, und seit dem globalen Handel mit Lebensmitteln sind Hungerkrisen in Europa ausgeblieben.

Der Preis aber blieb den Konsumenten lange verborgen: ein Verlust an natürlicher Vielfalt, Bodenfruchtbarkeit und dem generellen Verständnis für natürliche Zusammenhänge. Dazu kommt eine sinkende gesellschaftliche Anerkennung landwirtschaftlicher Arbeit sowie immense globale Folgen, wie die Ausbeutung von Arbeitskräften in Ländern des Globalen Südens, die Zerstörung der Böden durch Überdüngung, Pestizide und Petrochemie.

Zudem dominiert eine kleine Anzahl von Saatgut- und Handelsfirmen den Markt und entscheidet de facto, was und wie angebaut wird, während die klassische bäuerliche Landwirtschaft in Bedrängnis ist und immer mehr Landwirte ihre Höfe schließen müssen.

Zunehmende Verstädterung

Immer mehr Menschen ziehen vom Land in die Städte. So wachsen diese stetig. Auch in Köln ist der Wohnraum knapp, und der Druck auf Freiflächen, die sich für Wohnungsbau eignen, ist hoch. Dies betrifft sowohl Brachen im Innenstadtraum als auch landwirtschaftliche Flächen in den Außengebieten. Die zunehmende Flächenversiegelung geht mit einem Verlust von Lebensqualität in der Stadt einher – in Form von zunehmender Luftverschmutzung und abnehmenden öffentlichen Begegnungs- und Grünflächen.

Individualisierung und soziale Spaltung

Dazu kommen soziale Problematiken. Immer mehr Menschen leben allein. In den anonymen Städten, wo man die Nachbarn nicht mehr kennt, ist es oft schwer, soziale Netzwerke auszubilden. Gleichzeitig werden Menschen mit niedrigeren Einkommen durch die hohen Mieten immer mehr an den Rand gedrängt. Das führt zu sozialen Spannungen und die Gefahr von Gewalt und Vandalismus steigt.

All diese Entwicklungen stellen uns Menschen vor große Herausforderungen. Mit der Essbaren Stadt möchten wir einen Weg aufzeigen, ihnen im Alltag zu begegnen.

1.3 Motivation und Ziele

Für die großen globalen Problemstellungen gibt es keine einfachen Lösungen. Jedoch kann schon mit kleinen Schritten Großes bewirkt werden. Der Essbaren Stadt Köln liegt die Etablierung eines ganzheitlichen Nachhaltigkeitskonzeptes am Herzen– sie will damit einen Beitrag zum Erreichen der Nachhaltigen Entwicklungsziele (SDG) auf kommunaler Ebene leisten. Indem Essbares wieder im städtischen Raum Einzug erhält, werden folgende Ziele angestrebt:

Bewusstsein für nachhaltige Ernährung stärken

Grundsätzlich geht es darum, wieder eine Verbindung zwischen Mensch und Nahrungsmittel herzustellen. Woher kommt mein Essen eigentlich? Welches Essen hinterlässt zu welcher Jahreszeit welchen ökologischen Fußabdruck? Im Supermarkt folgt man Trends und Angeboten. Das soll sich ändern. Regionales und saisonales statt gespritztes Gemüse ohne Geschmack und Nährstoffe, das noch dazu einmal um die halbe Welt gereist ist, soll künftig für Konsumentscheidungen ausschlaggebend sein. Indem die Produktion von Nahrungsmitteln wieder im unmittelbaren Umfeld geschieht, entsteht ein neues Bewusstsein dafür, was es bedeutet, Nahrung anzubauen; die Wertschätzung steigt. Der Wechsel der Jahreszeiten und das damit einhergehende Pflanzenwachstum wird wieder bewusster erlebt. So soll die Essbare Stadt ein neues Interesse an gesunder Ernährung, an ökologischem Landbau und fairem Handel, an regional erzeugten Lebensmitteln und nachhaltigen Ernährungsformen stärken.

Nahrung selbst regional produzieren

Menschen werden wieder näher an die Lebensmittelproduktion und -verarbeitung herangeführt, zur Selbstversorgung befähigt und sind somit langfristig unabhängiger von großen Supermarktketten und der Lebensmittelindustrie. Im Anbau durch die Stadtbewohner selbst wird wieder ein unmittelbarer Bezug zu den Lebensgrundlagen hergestellt – die Trennung zwischen Produzent und Konsument entfällt. So können Nutzungsstrukturen abseits der üblichen marktwirtschaftlichen Verwertung entstehen. Zusätzlich kann altes Wissen zum Nahrungsmittelanbau im kleinen Stile hier zum Einsatz kommen, wird bewahrt und weitergetragen. Durch die nachhaltige Erhöhung des lokalen und regionalen Selbstversorgungsanteils, verbunden mit Umweltbildungsmaßnahmen, haben mehr Bürgerinnen und Bürger Zugang zu preiswerten Bioprodukten. Die Essbare Stadt leistet so einen Beitrag zu mehr Umweltgerechtigkeit.

Gesundes Leben ermöglichen

Einerseits wird die Gesundheit durch eine Ernährung mit frischem, unbehandeltem und qualitativ hochwertigem Gemüse gefördert. Andererseits setzt die Pflege und Ernte mehr Bewegung an der frischen Luft voraus, als ein Gang zum nächsten Supermarkt. Das tut nicht nur dem Körper gut, sondern auch dem Geist.

Inklusion und Stärkung von Nachbarschaft und Gemeinschaft

Äcker und Gärten in der Stadt sind niedrigschwellige Orte der Begegnung, sie fördern soziale Kontakte und das soziale Miteinander über Bevölkerungsschichten, Kulturen und Altersgrenzen hinweg. Damit wirken sie Vereinsamung, aber auch Vorurteilen und dem Auseinanderdriften von Bevölkerungsgruppen aktiv entgegen. Weil sie Orte sind, die Menschen ungeachtet ihrer Unterschiede mitgestalten und mitbestimmen dürfen, stärken sie die Inklusion der Gesellschaft.

Städtisches Grün fördern

Städte und ihre Bewohner sind auf urbanes Grün angewiesen. Dieses dient, im Falle der Essbaren Stadt, nicht nur einer gesunden Ernährung, sondern verbessert das Stadtklima, kühlt in Hitzelagen, filtert Luftschadstoffe, schafft Versickerungsflächen und fördert die Gesundheit durch positive Wirkungen auf Körper und Geist. Es soll ein Bewusstsein gefördert werden, dass es auch und gerade bei einer zunehmenden Verstädterung wichtig ist, innerstädtische Grünflächen zu bewahren und zu pflegen, um das Bewusstsein der Stadtbewohner*innen für die natürliche Nahrungsmittelerzeugung und den Naturschutz lebendig zu halten.

Nachhaltige Stadtplanung

Um als Standort dauerhaft attraktiv zu sein, ist für eine Metropole wie Köln zudem zunehmend auch das qualitative Wachstum und die Möglichkeit für Bürger*innen, an der Gestaltung von städtischem Lebensraum aktiv teilzunehmen, bedeutsam. Essbare-Stadt-Projekte können auf Brachen oder in Stadtvierteln mit sozialem Erneuerungsbedarf Impulse für ein neues Miteinander vor Ort und eine andere Stadtplanung setzen. Sie zeigen lokale Potenziale auf und stärken Strukturen für bürgerschaftliches Engagement.

Auch die Erschließung von Flächen für eine nachhaltige Nutzpflanzenproduktion in der Stadt und dem direkten Umland gehört zu den Aspekten einer nachhaltigen Stadtplanung. Eine moderne Stadt ist ohne eine Ernährungsstrategie, die dies berücksichtigt, nicht denkbar.

Nachhaltiger Verkehr

Da Essbares nur gedeihen kann, wo sich Schadstoffemissionen in Grenzen halten, bedarf eine Essbare Stadt einer nachhaltigen Mobilitätsstrategie, die dies berücksichtigt. Damit in der Stadt angepflanztes Obst und Gemüse gesundheitlich unbedenklich sind, muss die autogerechte Stadt zurückgebaut werden, z.B. indem die Fahrbahnen für Autos reduziert bzw. ihnen insgesamt weniger Platz auf den Straßen eingeräumt wird und emissionsfreie Antriebe, insbesondere Elektromobiliät und Fahrräder, gefördert werden.

Artenvielfalt und Biodiversität

Durch die Essbare Stadt kann Artenvielfalt und Biodiversität in der Stadt bewahrt werden. Urbane Agrobiodiversität steigt, wenn samenfeste Sorten, die in der kommerziellen Landwirtschaft nicht mehr angebaut werden, in der Region vermehrt ihren Platz finden. Auf Saatgut-Tauschbörsen und in ähnlichen Projekten kann Saatgut und Wissen über solche Sorten weitergegeben werden; in urbanen Gärten wird das Saatgut genutzt und weitervermehrt. Nachhaltiges, ökologisches Gärtnern bringt zudem eine große Vielfalt an Pflanzen in Gemeinschaften zusammen – Blumen, Kräuter, Obstgehölze, Gemüsepflanzen. Durch die größere Pflanzenvielfalt erweitert sich zusätzlich das Nahrungsangebot für Insekten – so kann auch die Insektenvielfalt von urbanem Gärtnern profitieren.

Klimaschutz

Der Klimaschutz kann dabei gleich auf mehreren Wegen gefördert werden. Essbare Stadt ist gelebter Umwelt- und Naturschutz: So wird der Erhalt sauberer Böden und Gewässer forciert und gleichzeitig die Luftverschmutzung und der Verbrauch fossiler Energien durch das Vermeiden langer Lieferketten verringert. Wächst die Versorgung von Kölnerinnen und Kölner mit regional erzeugten saisonalen Produkten, so sinkt der CO2-Ausstoß entsprechend. Hinzu kommt, dass eine  Menge Verpackungsmüll gespart und der Lebensmittelverschwendung durch Überproduktion und -angebot entgegengewirkt werden kann. Insbesondere ist die Essbare Stadt auch ein Umweltbildungsangebot für alle Bürgerinnen und Bürger: Aktives Gärtnern fördert die Auseinandersetzung mit den nachhaltigkeits- und klimarelevanten Aspekten unserer Ernährung. Es hat das Potenzial, klimarelevante Verhaltensänderungen zu bewirken.

Eine lebenswerte Stadt im Einklang mit der Mitwelt

Aus urbanen Metropolen wie Köln Essbare Städte zu machen, erhöht nicht nur den Lebenswert der Stadt für Mensch und Natur, für heutige und zukünftige Generationen, sondern schafft auch politisches Bewusstsein für Ernährungsthemen und Solidarität mit den Produzent*innen von Lebensmitteln. Die Aktionen rund um die Essbare Stadt Köln bringen politisches Bewusstsein für landwirtschaftliche Themen, die Fragen der Nachhaltigkeit aufwerfen, wie Belastung der Umwelt durch Glyphosat und Schadstoffe, in das Bewusstsein der Stadtbevölkerung. Produzent*innen nachhaltiger Lebensmittel leisten eine wichtige Sorgearbeit, die natürliche Umwelt zu bewahren. Dies soll mehr wertgeschätzt und ihre Thematiken von einem breiteren Publikum unterstützt und in die Politik getragen werden.

So kann die städtische Lebensqualität auf vielen Ebenen gestärkt werden, aber auch die Anpassungsfähigkeit der Stadt und ihres Umlandes an sich verändernde globale Bedingungen wie Klimawandel und Energiearmut.

Akteure des Wandels

Um diese Entwicklungen positiv zu gestalten, braucht es eine Vielzahl von Akteuren. Wichtige Impulse kommen dabei oft von Anwohnerinnen und Anwohnern, von Initiativen und Vereinen, die Gemeinschaftsgärten oder ähnliches anstoßen. Daneben braucht es die Stadtverwaltung, die für das öffentliche Grün und Baugenehmigung zuständig ist, aber auch die stadtnahen Landwirte, die Betreiber und Nutzer von Selbsterntegärten, Kindergärten, Schulen und andere Bildungs- und Sozialeinrichtungen, die Kleingärtner und Kleingartenvereine, die Gemeinschaftsgärten, Eigentümer und Mieter von Fensterbrettern, Balkonen, Terrassen, Innenhöfen, Flachdächern und Fassaden. Die Wirtschaft – große, mittlere und kleine Betriebe – können sich anschließen, ebenso wie die Wissenschaft, die in Köln mit mehreren öffentlichen und privaten Hochschulen vielfältig präsent ist. Dieses Konzept möchte die zahlreichen Impulse zusammenbringen und aufzeigen, wie die verschiedenen Akteure gemeinsam die Essbare Stadt gestalten können. Außerdem sollen diese Akteure vernetzt werden, um Synergien zu ermöglichen.

1.4 Prozess

Politische Beschlusslage

Nach Beschlüssen zur Essbaren Stadt von verschiedenen Bezirksvertretungen legte das Kölner Grünflächenamt 2016 ein Konzept für die Essbare Stadt Köln vor. Das vorgelegte Konzept wurde im Juni 2016 vom Rat zur Kenntnis genommen und der Auftrag an die Verwaltung erteilt, es weiter zu konkretisieren.

Im Wortlaut sieht der Beschluss vom 7. Juni 2016. vor:

  1. Der Ausschuss für Umwelt und Grün der Stadt Köln begrüßt die durch die Verwaltung vorgenommene systematische Analyse und Beschreibung zum Thema „Essbare Stadt“ und würdigt diese ausdrücklich.
  2. Um das Thema weiter voranzubringen, wird die Verwaltung beauftragt, die Analyse und Bestandsaufnahme zu einem gesamtstädtischen Konzept weiter zu entwickeln und dem Ausschuss erneut vorzulegen. Hierbei soll die Verwaltung aktiv auf interessierte Bürgerinitiativen, wie beispielsweise dem neu gegründeten Ernährungsrat – zugehen, deren Interessen bündeln und in das Konzept einfließen lassen.
  3. Der Ausschuss beauftragt die Verwaltung ferner, die Anregungen der Bezirksvertretungen zu systematisieren und deren Ideen in das neue Konzept einfließen zu lassen.
  4. Öffentliche Grünflächen und Parks sind für die Nutzung durch die Allgemeinheit zu sichern, privater Gartenbau ist dort nicht zu gestatten.
  5. Die Verwaltung wird damit beauftragt, das neue Konzept nach zwei Jahren zu evaluieren und die Ergebnisse dem Ausschuss für Umwelt und Grün und den Bezirksvertretungen erneut vorzulegen.

Im Juli 2017 wird vom Bundesministerium für Umwelt, Bau und Reaktorsicherheit ein Förderantrag genehmigt. Wie im Stadtratsbeschluss beschrieben, ist das Grünflächenamt, unter Verantwortung seines stellvertretenden Leiters Dr. Joachim Bauer, aufgefordert, mit interessierten Initiativen, wie dem gerade gegründeten Ernährungsrat für Köln und Umgebung, eine Beschlussvorlage für die “Essbare Stadt Köln” für den Stadtrat zu erstellen.

Gipfel und Aktionsplan

Im Herbst 2017 haben Agora Köln und der Ernährungsrat einen gemeinsamen Prozess gestartet, um einen Aktionsplan in einem bürgerschaftlichen, offenen Dialog zu erstellen. Dieser sollte die unterschiedlichen Initiativen bündeln – und Ziele für die Zukunft festschreiben. 

Die Grundlagen für den Prozess wurden dabei im Ausschuss ”Essbare Stadt/Urbane Landwirtschaft” des Kölner Ernährungsrats diskutiert und festgelegt, der durch Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus der Agora Köln ergänzt wurde. Der Ausschuss hat den Prozess kontinuierlich gestaltet und als “Steuerungsgremium” für die größeren Entscheidungen gedient.    

Der Prozess bestand aus den folgenden Schritten:

  • Erster Gipfel Essbare Stadt: Beim ersten Themengipfel in der Alten Feuerwache haben etwa 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Themen der Arbeitsgruppen ausdefiniert, Ideen gesammelt und diskutiert.
  • Arbeitsgruppen: Nach dem ersten Gipfel haben sich Arbeitsgruppen gebildet, die von Moderatorinnen und Moderatoren geleitet und begleitet wurden. Hier wurden erste Inhalte für den Aktionsplan gesammelt und aufgeschrieben.
  • Zweiter Gipfel Essbare Stadt: Der zweite Gipfel im November diente der Zwischenbilanz der Arbeitsgruppen und der öffentlichen Diskussion der Ergebnisse.
  • Redaktionsphase: Im Dezember 2017 und Januar 2018 wurden die Ergebnisse der Arbeitsgruppen durch ein zentrales Redaktionsteam gesichtet, nach einheitlichen Standards überarbeitet und die Zwischenstände nochmals mit den AG Mitgliedern abgestimmt.
  • Erste Version: Im Vorlauf des BarCamps wurden die Texte zu einem ersten Konzeptentwurf zusammengeführt und in ein einheitliches Layout gebracht.
  • BarCamp: Der erste Stand des Konzeptes wurde auf dem BarCamp öffentlich präsentiert und diskutiert.
  • 2. Redaktionsphase: Im Anschluss an das BarCamp startete die weite Redaktionsphase, in welcher bis Anfang März alle an Arbeitsgruppen Beteiligten eingeladen waren, weitere Korrekturen und Ergänzungen in den Aktionsplan einzubringen.
  • Endredaktion: Bis Mitte April wurde eine Endredaktion vorgenommen und das Ergebnis veröffentlicht.

Neben der Zielsetzung, in den einzelnen Vierteln bereits interessierte Bürger zu aktivieren, kleine Essbare-Stadt-Projekte praktisch umzusetzen, ist es auch Ziel, unsere gewonnenen Kompetenzen und Interessen in den kommenden Stadtratsbeschluss einfließen zu lassen. Eine professionelle Zusammenarbeit mit dem Grünflächenamt soll gesichert werden.

2. ANSÄTZE UND ZIELE
2.1 Essbares Öffentliches Grün

Die Arbeitsgruppe „Essbares Öffentliches Grün“ verfolgt im Besonderen die Zielsetzung, dass der öffentliche Raum der Stadt Köln essbare Potenziale für Menschen und Tiere gleichermaßen bereitstellt. Mit Vogelschutzhecken in Grünanlagen, Wildpflanzen und Insektenweiden auf Verkehrsinseln, Mittelstreifen, Brachen, Gehölzrändern, etc. kann mit vergleichsweise geringem Aufwand dem Artenverlust entgegengesteuert und zur Stabilisierung der Nahrungskette beigetragen werden. Der öffentliche gemeinschaftliche Anbau von Gemüse und Obst schafft Möglichkeiten der Begegnung, der Teilnahme und der Naturverbundenheit, fördert urbanes Miteinander und Bewusstsein für Umwelt- und Klimaschutz.

Getreu dem Andernacher Motto „Pflücken erlaubt“ statt „Betreten verboten“ werden durch unterschiedliche Akteure essbare Pflanzen für Mensch und Tier auf öffentlichen Flächen, wie z.B. in Parkanlagen oder auf zentralen öffentlichen Plätzen angebaut, die zur gemeinsamen Gartenarbeit und zum Ernten für alle einladen. Mit der Vision „Ein öffentlicher zentraler Platz im Veedel wird essbar“ möchten wir einen Treffpunkt für alle Nachbarn im Veedel entwickeln, für einen gemeinsamen Austausch, nachbarschaftliches Gärtnern, Netzwerken, Veedelsschmaus etc. Der „Essbare Platz“ im Veedel ist fußläufig zu erreichen, jeder kann mitwirken und damit ein Stück weit Verantwortung für sein Veedel übernehmen. Integrative Projekte mit z.B. ansässigen Kitas oder Schulen, die selbst keine Möglichkeit haben, ihren eigenen Garten zu verwirklichen, können mitwirken. Die Lebensqualität im Veedel wird gestärkt und gleichzeitig tragen diese Aktivitäten zur Biodiversitätsförderung, zum Artenschutz, zur Gesundheit sowie zu einem besseren Stadtklima bei.

Beispiele für bestehendes Essbares öffentliches Grün

Chicago Chicago stellt stadtweit Parkabschnitte für „Community Gardens“ zur Verfügung – hunderte Gärten sind entstanden: https://www.chicagoparkdistrict.com/parks-facilities/community-garden

Paris – Städtisches Programm „Le permis de végétaliser“ motiviert und unterstützt Bürger*innen, Gärten auf privaten und öffentlichen Plätzen anzulegen; neue Grünflächen enthalten immer auch Gemeinschaftsgärten: https://www.paris.fr/duvertpresdechezmoi

Kassel – Gute Kooperation mit der Stadt, Ausgleichsgelder für neue Bäume, die Stadt unterstützt in der Pflege: http://essbare-stadt.de/wp

Berlin – Etablierung Essbarer Bezirk Friedrichhain-Kreuzberg; Anbau essbarer Pflanzen im öffentlichen Raum: https://www.berlin.de/ba-friedrichshain-kreuzberg/politik-und-verwaltung/aemter/strassen-und-gruenflaechenamt/gruenflaechen/artikel.546821.php

Andernach – Verwaltung pflanzt und pflegt Essbares in öffentlichen Grünanlagen gemeinsam mit einer Agentur: http://www.andernach.de/de/leben_in_andernach/es_startseite.html

Todmorden (England) – Die englische Kleinstadt gilt als Vorzeigeprojekt der Transition Towns und des essbaren öffentlichen Grüns: https://www.incredible-edible-todmorden.co.uk/projects

Ziele für Essbares Öffentliches Grün in Köln

Die Ziele umfassen sowohl Maßnahmen zur Aufbereitung von geeigneten Flächen als auch konkrete Vorschläge zur Umsetzung der Essbaren Stadt. Grundsätzliches Ziel ist, dass 2025 jede/r BürgerIn der Lage ist, im Rahmen eines 10-minütigen Fußwegs „Essbares Grün“ zu erreichen und an dessen Umsetzung in seinem Veedel mitzuwirken.

  • Essbare Veedels-Plätze: Bis 2025 haben mindestens 20 der 86 Kölner Veedel einen zentralen „Essbaren Veedels-Platz“. Unter einem Essbaren Veedels-Platz verstehen wir einen Ort, der nicht unmittelbar von Verkehr umgeben ist und somit einer reduzierten Luftbelastung ausgesetzt ist (beispielsweise Rathenauplatz, Schillplatz, Neptunplatz, etc.). Durch die Ausstattung mit Hochbeeten lassen sich die Plätze komfortabel bewirtschaften, sind unabhängig von Bodenbelastungen und geschützt vor Hundekot. Kombiniert mit Sitzgelegenheiten und Tischen fördern sie das Gemeinschaftsleben.
  • Neuanpflanzungen: Bis 2025 sind Neuanpflanzungen in öffentlichen Grünanlagen und öffentlichen Räumen zu 70 % essbare Nutzpflanzen für Mensch und/oder Tier.
  • Patenschaftsverträge: Bis 2025 sind die einzelnen Orte „Essbaren Öffentlichen Grüns“ durch Patenschaftsverträge mit der Stadt legitimiert, wie sie das Grünflächenamt bereits heute mit engagierten Bürger*innen schließt.
  • Phytosanierungen: Bis 2025 sind Schadstoffanalysen für alle belasteten öffentlichen Flächen erstellt und die Phytosanierung in Angriff genommen.
    Unter Phytosanierung verstehen wir die langfristige biologische Sanierung von verunreinigten und kontaminierten Böden mit Hilfe von Pflanzen.
  • Flächenentsiegelung: Bis 2025 ist eine Erhebung zu möglicher Flächenentsiegelung für den Anbau von öffentlichem, essbarem Grün erfolgt, mindestens 20 % der ermittelten Flächen sind entsiegelt und werden für Gemeinschaftsgärten, Bienenweiden und andere Projekte im Sinne der Essbaren Stadt genutzt. Unter versiegelten Flächen verstehen wir natürlichen Boden, der durch Bauwerke des Menschen bedeckt ist, in den von oben kein Niederschlag mehr eindringen kann und in dem die auf natürlicher Weise dort stattfindenden Prozesse verhindert werden.
  • Wildwiesen & Insektenweiden: Bis 2025 sind Verkehrsinseln, Mittelstreifen, öffentliche Gehölzränder und städtische Brachflächen in Wildwiesen und Insektenweiden umgewandelt. Die Zusammenarbeit zwischen Stadtverwaltung (Grünflächenamt) und Bürger*innen zur Aussaat und Pflege ist transparent, verbindlich und niedrigschwellig organisiert. Unter Wildwiesen verstehen wir naturbelassene Flächen, die nicht gedüngt und kaum bearbeitet werden und sich langfristig durch eine hohe Artenvielfalt auszeichnen. Unter Insektenweiden verstehen wir Aussaat, Anbau oder Ansiedelung von insektenfreundlichen Stauden, Gräsern und Gehölzen.
  • Begrünte Dachflächen & vertikale Begrünung: Bis 2025 sind Konzepte (Statik, Sturzverhinderung, Wasserversorgung etc.) für die Begrünung geeigneter Dachflächen öffentlicher Gebäude mit Insektenweiden und ihre Vorbereitung für den Gemüseanbau erstellt und umgesetzt. Außerdem sind die Fassaden öffentlicher Gebäude für vertikale, insekten- und klimafreundliche Begrünung freigegeben.
  • Streuobstwiesen: Unter Streuobstwiesen verstehen wir den extensiven Anbau von hochstämmigen Obstbäumen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Arten und Sorten, ggf. mit gärtnerischer oder ackerbaulicher Unternutzung. In Köln gibt es 43 Streuobstwiesen auf städtischen Flächen mit einer Gesamtgröße von 24 Hektar. Diese leisten einen wichtigen Beitrag für den Arten- und Naturschutz und sind Bestandteil der “Essbaren Stadt Köln”. Gleichzeitig sind sie Kulturflächen und bieten in Pflege und Unterhalt Potenzial für bürgerschaftliches Engagement.
    • Bis 2025 übernimmt die Biologische Station die Koordination des ehrenamtlichen Engagements vor Ort, so dass die Wiesen und das Obst wieder für die lokale Ernährung genutzt werden können. Die Biologische Station stellt dabei die fachgerechte Pflege und die Kontinuität sicher. Die Finanzierung erfolgt über Drittmittel, städtische Mittel, Ausgleichsgelder und im besten Falle auch über die regionale Vermarktung der Produkte.
    • Konkret gibt es Schulungen zur Ausbildung von Streuobstwarten. Diese sollen vor Ort die Pflege der jeweiligen Streuobstwiese durchführen und die ehrenamtliche Arbeit durch die Bürgerschaft vor Ort auf der Streuobstwiese koordinieren.
    • Des Weiteren ist die Anschaffung einer mobilen Saftpresse mit Flaschenabfüllung geplant. Diese fährt zur Erntezeit von Streuobstwiese zu Streuobstwiese. Die geernteten Äpfel werden vor Ort gepresst und in Flaschen abgefüllt. Die Flaschen werden mit einem Foto und der Bezeichnung der jeweiligen Streuobstwiese und der Charge etikettiert. Ideal ist der Verkauf unter dem Label Kölner Apfelsaft. Für die Lagerung von Tafelobst werden Kühlräume zur Verfügung gestellt. Somit können leckere regionale Apfelsorten, ohne Konservierungsmittel über einen längeren Zeitraum angeboten werden.

Voraussetzungen für Essbares öffentliches Grün

Das essbare öffentliche Grün befindet sich in einem Spannungsfeld zwischen innovativen Ansätzen aus zivilgesellschaftlichen Initiativen einerseits und der Kontrolle der Flächen durch die zuständigen Ämter und Behörden andererseits; zwischen dem Bedürfnis der Bürger*innen, ihre Stadt und ihre Umwelt aktiv und selbstbestimmt mitzugestalten, und der Aufgabe der Verwaltung, die Risiken einer unkontrollierten Nutzung von Flächen zu minimieren. Voraussetzung ist es, diese scheinbar divergierenden Interessen zu einem gemeinsamen Interesse zu bündeln.

Auch wenn die Einigung auf den ersten Blick schwierig erscheinen mag, sind erste Schritte dazu bereits in Gang gesetzt. Der Ausschuss für Umwelt und Grün der Stadt Köln erkennt in seiner Beschlussvorlage “Essbare Stadt Köln” an, dass öffentliche Grünflächen durch essbare Nutzpflanzen aufgewertet werden können. Er stellt in Aussicht, dass bei Neupflanzungen in öffentlichen Grünanlagen, an Schulen, Sportplätzen und öffentlichen Gebäuden in Zukunft essbaren Pflanzen in Form von Obstbäumen der Vorzug gegeben werden soll. Aus unserer Sicht kann durch ein gutes Konzept der Nutzungsrechte eine für alle Beteiligten positive Umsetzung erfolgen, die zusätzlich auch den Gemüseanbau im öffentlichen Grün mit einschließt. Durch die Möglichkeit, in öffentlichen Grünanlagen kleinere Garteneinheiten mit Hochbeeten anzulegen, kann das Gemüse vor Hundekot und Bodenschadstoffen geschützt werden. Allgemeine Zugänglichkeit und gemeinschaftlich-bürgerschaftliche Pflege und Nutzung erzeugen einen öffentlichen Status, vergleichbar einer Sportanlage im öffentlichen Grün. Patenschaftsverträge zwischen Stadt und Zivilgesellschaft institutionalisieren diese öffentlichen Nutzungsformen.

Zum Erreichen der Ziele ist zusätzlich die Kooperation mit Hochschulen erforderlich, beispielsweise für die Umsetzung der oben beschriebenen wissenschaftlichen Vorerhebungen für Phytosanierungen und Flächenentsiegelungen.

Politische Rahmenbedingungen für Essbares Öffentliches Grün

Stadtpolitik:

  • Der Stadtrat der Stadt Köln beschließt den Anbau von essbaren Pflanzen für Mensch und Tier im öffentlichen Raum wie Parkanlagen, öffentlichen Plätzen, Seitenstreifen etc.
  • Die Stadt Köln bevorzugt bei allen von ihr verantworteten Anpflanzungen im öffentlichen Raum (auch Schulen, öffentlichen Einrichtungen) grundsätzlich essbare Pflanzen.
  • Die Stadt Köln unterstützt das Anpflanzen von essbaren Pflanzen auf öffentlichen Flächen durch Dritte unter bestimmten Voraussetzungen, wie z.B. durch die Übernahme von Patenschaften durch Initiativen, Vereine oder Einzelpersonen.
  • Die Stadt Köln unterstützt die Patenschaften durch Bereitstellen von Fördermitteln, Wissenstransfer und Ressourcen sowie mit dem Sicherstellen der Wasserversorgung an öffentlichen Plätzen.
  • Genehmigungsprozesse für das Anpflanzen von essbarem Grün sowie das Aufstellen von Pflanzkisten in öffentlichen Räumen und Parkanlagen sind niedrigschwellig und zeitnah bearbeitet.
  • Bei Dachsanierungen an öffentlichen Gebäuden Potenziale ausschöpfen um Gründächer zu entwickeln.
  • Förderfähige Maßnahmen in Richtung „Essbare Stadt“ entwickeln und die Förderungen den Projekten der essbaren Stadt bereitstellen.
  • Nachhaltige und integrierte Stadtentwicklung stärken, in der die Essbare Stadt ein Bestandteil ist, z.B. ein naturfreundliches Verkehrskonzept.

Synergien zu anderen Ansätzen

Verschiedene Akteure haben potenzielles Interesse, öffentliche Flächen zum Gärtnern zu nutzen, insbesondere die Gemeinschaftsgärten und Bildungseinrichtungen. Sie werden als essenziell für eine erfolgreiche Umsetzung von gemeinschaftlichen gärtnerischen Projekten auf öffentlichen Flächen angesehen. So können kleine Projekte auf essbaren öffentlichen Plätzen als Bildungsort für umliegende Schulen oder Treffpunkt für soziale Einrichtungen fungieren.

Im Austausch mit allen Gärtnernden, kann mit vereinten Kräften an gemeinsamen Zielen gearbeitet werden, Wissenstransfers generiert werden und gemeinschaftlicher Dialog über Bedürfnisse und Fähigkeiten ermöglicht werden.

2.2 Gärtnern in Bildungseinrichtungen

Im schulischen Ganztagsbetrieb Natur zu erleben, ist als Kind und Jugendlicher kaum noch möglich. Schulgärten und Schulfreiflächen können zahlreiche Möglichkeiten bieten, Kinder von Anfang an innerhalb eines naturnahen Erlebnisraums an das Gärtnern und einen bewussten Umgang mit Lebensmitteln heranzuführen. So wird in zukünftigen Generationen das Umweltbewusstsein gestärkt. Dazu müssen Schulgärten ein natürlicher und fester Bestandteil des Schulalltages sein.

Die Vielfältigkeit und das Potenzial von Gärten an Schulen wird bisher unterschätzt – ein Garten muss nicht zwangsläufig ein Nutzgarten im Sinne eines Gemüsegartens sein. Diese Art von Garten ist oft arbeitsintensiv und kann daher abschrecken. Wir sehen den Garten daher vielmehr als wilden (Frei)Raum für Kinder, Tiere und Insekten – zum Entdecken, Beobachten, sich Zurückziehen, Ruhe finden und Lernen ohne Leistungsdruck und Zwang. Hier sollen nicht nur gärtnerische Fähigkeiten und Umweltbewusstsein, sondern auch Fantasie und Motorik der Kinder gefördert werden. Ein Schulgarten kann die unterschiedlichsten Formen annehmen und einer Vielzahl von Pflanzen, Tieren und Insekten einen Lebensraum bieten. Dabei muss er nicht zwangsläufig mit einem hohen Arbeitsaufwand und hohen laufenden Kosten einhergehen. Ein Gartenkonzept sollte viele Flächen beinhalten, die wenig pflegeintensiv und gleichzeitig sehr vielfältig sind.

Beispiele für Bildungseinrichtungen

Ausgewählte Kölner Schulen mit Schulgärten:

  • Montessori Grundschule am Pistorhof:

http://www.monte-gs.de/index.php/offener-ganztag/ags

Übergreifende Initiativen:

Ziele für Bildungseinrichtungen

Ziele bis 2020:

  • Schulgartenkonzept: Erstellung eines Konzepts zur Umsetzung von einem Schulgarten pro Kölner Schule
  • Stadtweiter Wettbewerb: Kölner Schulen starten einen Wettbewerb zum Thema Essbare Stadt und Urbanes Gärtnern
  • Lehrerausbildung: Der Verband zur Förderung des MINT-Unterrichts arbeitet mit den Lehrerseminaren – insbesondere der Fachrichtung Biologie –  zusammen. Lehrer*innen wird die Wichtigkeit des aktiven Gärtnerns in der Schule nähergebracht und Umsetzungsstrategien werden aufgezeigt.

Ziele bis 2025:

  • Schulgärten für alle: Jede Schule Kölns hat einen Schulgarten, sei es in Form eines kleinen Hochbeetes mit Wildblumen, eines Gemüsegartens oder einer großen Streuobstwiese. An Standorten, wo die Einrichtung eines Schulgartens nicht möglich ist, soll eine übergreifende Nutzung anderer Schulgärten ermöglicht werden.
  • Förderung von Insekten: Biodiversität wird in allen Stufen im Schulunterricht thematisiert und dem Insektensterben in den Schulgärten praktisch entgegengewirkt. Durch das gemeinsame Anlegen und die Pflege der Gärten werden Kinder für die Thematik sensibilisiert und können später als Multiplikatoren wirken.
  • Selbstversorgung: Schulkantinen werden mit Obst und Gemüse aus dem eigenen Schulgarten versorgt. Schulkantinen verwenden an einem Tag pro Woche Obst oder Gemüse aus dem eigenen Garten.
  • Lehrplanänderung: Die Themen „Essbare Stadt“ und „Urbanes Gärtnern“ sind in Lehrplänen integriert.
  • Unterrichtsmaterialien: Entwicklung von Unterrichtsmaterialien zum Thema „Essbare Stadt“ und „Urbanes Gärtnern“.

Voraussetzungen für Gärten in Bildungseinrichtungen

  • Vernetzung mit Anlauf- bzw. Informationsstelle für Gärten in Bildungseinrichtungen
  • Für jeden Schulgarten findet sich ein/e Verantwortliche/r.
  • Bereits bestehende Schulgärten erarbeiten ein Schulgartenkonzept, das für möglichst viele Schulen funktioniert.
  • Es braucht Überzeugungsarbeit bei Schulen, Lehrer*innen, OGS Mitarbeiter*innen, dass sich das Anlegen eines Gartens lohnt bzw. einen Mehrwert für die Schüler*innen und die Schule darstellt.
  • Eine Erhebung in die Wege leiten: Welche Schule in Köln hat einen Schulgarten? Wie sind die Gegebenheiten vor Ort?
  • Schulen erhalten Unterstützung beim Anlegen eines Schulgartens von beispielsweise bereits existierende Schulgärten, der Stadt Köln, dem Grünflächenamt oder der Universität.
  • Die bereits existierenden Schulgärten vernetzen und unterstützen sich untereinander, tauschen Wissen und ggf. Materialien aus. Dazu wird mindestens ein Schulgartenfest zur Vernetzung der Schulgärten pro Jahr veranstaltet.

Anforderungen an die Politik für Bildungseinrichtungen

  • Die Stadt Köln verpflichtet alle Kölner Schulen, bis 2025 einen Garten anzulegen und diesen in den Schulalltag zu integrieren.
  • Die Schulen werden beim Anlegen und Betrieb der Schulgärten von der Stadt unterstützt.
  • Die Abfallentsorgungs- und Verwertungsgesellschaft (AVG) unterstützt die Schulen in ihren Schulgärten mit der Lieferung von kostenlosen torffreien Erden und Kompost.
  • Die Zusammenarbeit mit Arbeitsgruppen bei der Integration des Themas „Essbare Stadt“ und „Urbanes Gärtnern“ in die Lehrpläne.

Zusammenarbeit mit anderen Ansätzen:

Kooperationen mit anderen Arbeitsgruppen machen aus verschiedenen Gründen Sinn. Für den Fall, dass auf einem Schulgelände überhaupt kein Platz für einen Schulgarten ist, könnte man auch Gemeinschaftsgärten oder Kleingärten in Schulnähe im Rahmen einer Kooperation nutzen. Eine weitere, interessante Möglichkeit wäre eine Zusammenarbeit mit dem Modularen Modellgarten der Uni Köln (MoMo): Studierende könnten z.B. im Praxissemester dabei helfen, einen Schulgarten aufzubauen.

2.3 Urbane Gemeinschaftsgärten

Bei der Transformation hin zu einer nachhaltigeren Gesellschaft und für die Ernährungswende können Gemeinschaftsgärten eine wichtige Rolle spielen. In Köln haben sich bereits mehr als zehn dieser urbanen Gärten als fester Bestandteil einer neuen Stadt- und Lebenskultur etabliert. Sie sind Begegnungsstätten, Räume des Lernens und des Austausches, frei von Kommerz. Hier wächst mehr als Gemüse: Erholung, Respekt vor Lebensmitteln, Verbindung zu anderen Menschen und zur Natur – und dazu das nötige gärtnerische Wissen, das langfristig zur Selbstversorgung befähigen kann.

Gemeinschaftsgärten können nicht nur als Orte der Erholung, sondern auch als Freiräume dienen, die für jeden zur Mitgestaltung und –nutzung offen stehen und einen Raum zur Begegnung auf Augenhöhe darstellen – über gesellschaftliche, kulturelle oder Altersgrenzen hinweg. Damit dienen sie auf besondere Weise der Integration und Inklusion und stärken das soziale Miteinander.

Gemeinschaftsgärten fördern auch individuelle gärtnerische Fähigkeiten und dienen als Bildungszentren für sozial-ökologische Themen. In Workshops lernen Interessierte Nachhaltigkeitspraktiken voneinander. Kinder können in Gemeinschaftsgärten von Anfang an an die Natur herangeführt werden. Durch eine Kombination aus theoretischer Aufklärung und praktischem Unterricht können die zukünftigen Generationen früh zu einem nachhaltigeren Lebensstil befähigt werden und Lebensmittel eigenständig und lokal anbauen.

Es geht nicht nur um das Wohl der Menschen, sondern ebenfalls um das der Tiere. Durch Gemeinschaftsgärten in allen Stadtvierteln kann die Stadt zum Refugium für Insekten und andere Wildtiere werden. Sie sind Orte, an denen seltene Nutz- und Wildpflanzen gedeihen können und dürfen. Gemeinschaftsgärten leisten deshalb einen starken Beitrag zu Biodiversität in der Stadt.

Beispiele für Gemeinschaftsgärten

Gärten in Köln

  • Kölner Neuland e.V. (Bayenthal)
  • Campusgarten (Sülz)
  • Carlsgarten (Mülheim)
  • Gartenwerkstadt Ehrenfeld (mit dem Vitalisgarten und HELGA)
  • Fink e.V. (Vogelsang)
  • Veedelgarten (Nippes)
  • Pantaleonsgarten (Innenstadt)
  • Querbeet (Belgisches Viertel)
  • VHS Biogarten Thurner Hof (Dellbrück)
  • Bock auf Garten (Deutz)
  • Pflanzstelle (Kalk)
  • Gartenclubs Köln (Kooperationsprojekt zwischen Querwaldein e.V. und der GAG Immobilien AG)
  • Naturstation Stammheimer Schloßpark und einige mehr.

Die Gemeinschaftsgärten in Köln sind dabei vielfältig und unterschiedlich organisiert – es verbindet sie, dass sie für alle Stadtbewohner*innen und speziell die umgebende Nachbarschaft offen sind. Jeder und Jede kann kostenfrei mitmachen.

Ein Großteil der Kölner Gemeinschaftsgärten ist im “Netzwerk Gemeinschaftsgärten Köln” zusammengeschlossen. Die Mitglieder des Netzwerks engagieren sich für die Förderung neuer Gärten und den Erhalt der bestehenden, unter anderem durch politische Arbeit, gemeinsame Beschaffung und Beratung. Das Netzwerk organisiert auch das jährlich stattfindende Saatgutfestival Köln.

Städtische Gemeinschaftsgartenprogramme

Während die Gemeinschaftsgärten in Köln „für sich“ agieren, unterstützen andere Städte ihre Gemeinschaftsgärten systematisch. Ähnlich wie das Vorbild Green Thumb in New York begleitet und berät das Pariser Programm Main Verte Gruppen dabei, ein Grundstück für einen Gemeinschaftsgarten zu finden und dort einen Garten anzulegen und zu betreiben.

Die Vereine müssen dabei die Auflagen der „charte main verte“ einhalten: Sie verpflichten sich, partizipativ zu handeln, den sozialen Zusammenhalt zu stärken und ökologisch zu Gärtnern, d.h. keine Pestizide und chemische Dünger einzusetzen, im Garten den Müll zu trennen und Kompostierungssysteme zu entwickeln. Dafür bietet Main Verte Kurse an, wie ein Garten aufgebaut, umweltfreundliche Praktiken entwickelt, und Gartenbau erfolgreich betrieben werden kann. Die Kommune stellt außerdem Zäune und den Wasserzugang, wobei die Gartenvereine Wasser- und Versicherungsgebühren zahlen. Einmal im Monat gibt es das „Café Jardin“ sowie regelmäßige Treffen („trocs main verte“) zum Tausch von Saatgut, Pflanzen, Töpfen, Werkzeug und Büchern. Bei der Parkplanung wird ein neues Modell mit Dreiteilung favorisiert: Grünanlagen sollen Erholungs-, Spiel- und Gemeinschaftsgartenflächen vorhalten.

In Chicago unterstützt die Stadtverwaltung explizit die Ansiedlung von „Community Gardens“ in öffentlichen Grünanlagen. Wer dort in bestimmten Bereichen gemeinschaftlich aktiv werden will, erhält für das betreffende Stück Land einen Pachtvertrag (kostenlos), Wasseranschluss und Umzäunung.

Auch Kölns Nachbarstadt Bonn fördert die Ansiedlung von Gemeinschaftsgärten. Auf einer von der Stadt erstellten und gepflegten Online-Karte sind Flächen ausgewiesen, die Initiativen und interessierte Nachbarn für Urban Gardening nutzen können. Die Karte enthält Informationen, beispielsweise zu Wasseranschlüssen und Bodenbelastung. Ebenfalls online findet sich eine Vorlage eines Zwischennutzungsvertrages – eine niederschwellige Einladung an alle BonnerInnen, einen Gemeinschaftsgarten zu gründen.

Ziele für Gemeinschaftsgärten

Unser langfristiges Ziel ist es, dass in jedem Kölner Veedel ein Gemeinschaftsgarten betrieben wird.

Dafür sind zahlreiche Zwischenschritte und Maßnahmen von unterschiedlichen Seiten nötig. Sofort umsetzbar sind die folgenden Ziele:

  • Ausbau von Urban Gardening: Bis 2020 sollen in Köln mindestens 14 Gemeinschaftsgärten existieren, die 20 von 86 verschiedenen Kölner Veedeln in 6 von 9 Stadtbezirken abdecken.
  • Flächensicherung: Die bestehenden Gemeinschaftsgärten sind gesichert bzw. werden bei der Suche nach adäquaten Ersatzflächen von der Kölner Stadtverwaltung aktiv unterstützt.
  • Ausbau des Netzwerkes Gemeinschaftsgärten: Die Stadt Köln etabliert eine finanzielle Basisunterstützung des Netzwerkes Gemeinschaftsgärten Köln, damit dieses als dauerhafte Beratungs- und Anlaufstelle für Ratsuchende fungieren kann.
  • Öffentliche Workshops mit städtischer Unterstützung: Monatlich werden durch die bestehenden Gemeinschaftsgärten öffentliche Workshops zu gärtnerischen Themen durchgeführt und auch auf städtischen Kanälen öffentlich kommuniziert.
  • Flächenkarte: Die Stadt Köln veröffentlicht Informationen über Flächen, die für potenzielle Gemeinschaftsgärten genutzt werden können, idealerweise in Form einer Online-Karte.
  • Kostenloser Kompost und Mutterboden: Die Stadt Köln bzw. AVG stellen torffreien Kompost für Gemeinschaftsgärten zur Verfügung; außerdem wird unbelasteter städtischer Mutterbodenaushub bevorzugt und kostenlos an Gemeinschaftsgärten geliefert.
  • Kostenfreie Holzpaletten: Unternehmen stellen kostenfrei Holzpaletten zum Bau von Pflanzkisten zur Verfügung.
  • Gemeinschaftsgärten stärken: Die existierenden Gemeinschaftsgärten haben ein stabiles Leitungsteam, eine solide rechtliche und finanzielle Grundlage und werden von vielfältigen Zielgruppen in Anspruch genommen. Sie nutzen überwiegend Praktiken des naturnahen Gärtnerns und tauschen sich diesbezüglich untereinander und mit anderen Akteuren der Essbaren Stadt aus.

Ziele bis 2025:

  • Dauerhafte Versorgungsstruktur: Das Amt für Landschaftspflege und Grünflächen richtet dauerhaft eine Versorgungsstruktur für Gemeinschaftsgärten ein (z.B. Mutterboden, Kompost, Mulch, oder Gerätschaften) und stellt eine/n Ansprechpartner/in für solche Bedarfe zur Verfügung.
  • Städtischen Flächen für Gemeinschaftsgärten: Die Stadt stellt allen Gemeinschaftsgärten auf städtischen Flächen zur Verfügung oder genehmigt die Aufstellung von: einem Vorkulturhaus, einem Überwinterungshaus, einem Gerätehaus, einem Gemeinschaftsraum für Organisationstreffen in der Wintersaison.          
  • Neue Fachliteratur: Erweiterung der Fachliteratur in der Stadtbibliothek Köln um Gartenliteratur.
  • Öffentliche Anerkennung: Anerkennung von Gemeinschaftsgärten als Bildungsort, Gemeinschaftsort, Erholungsort und als Ort zur Lebensmittelerzeugung.

Politische Rahmenbedingungen für Gemeinschaftsgärten

Die Stadt muss die Rahmenbedingungen und grundlegende Infrastruktur für gemeinschaftliche Veedelsgärten schaffen. Grundlegend dafür sind an erster Stelle geeignete Flächen.

  • Anerkennung & Wertschätzung: Verwaltung und Politik erkennen Gemeinschaftsgärten als festen Bestandteil einer neuen Stadt- und Lebenskultur an und fördern sie entsprechend.
  • Die Stadt Köln startet ein Programm für Urbane Gemeinschaftsgärten nach dem Pariser Vorbild: Bilden sich Gruppen, die in ihren Veedeln einen Gemeinschaftsgarten gründen wollen, werden diese von der Stadt unterstützt, sobald ein Verein für den neuen Veedelsgarten gegründet wurde. Sie hilft ihnen bei der Suche nach einer geeigneten Fläche im Veedel, sichert und unterstützt den Erhalt der Gemeinschaftsgärten und bietet Fortbildungskurse für naturnahes Gärtnern an.
  • Die Stadtverwaltung erleichtert den Genehmigungsprozess zur Flächennutzung und unterstützt die BürgerInnen mit einer Faktensammlung mit allen relevanten Ansprechpartnern bei Ämtern, beispielhaften Pachtverträgen oder Zwischennutzungsvereinbarungen.
  • Die Stadt Köln verschärft die Richtlinien zur Mülltrennung und führt Biomülltonnen als Pflicht ein. Durch striktere Mülltrennung lassen sich die kompostierbaren Bioabfälle verdoppeln – diese können u.a. zur Versorgung der Gemeinschaftsgärten, aber auch anderer Gärten verwendet werden.
  • Ausgleichsflächen: Die Ausgleichszahlungen zur ökologischen Aufwertungen von Flächen erfolgt in Absprache mit allen Akteuren des Stadtgrüns, nicht nur mit Investoren und Ämtern der Stadt Köln. Urbane Gärtner können ebenfalls wie Landschaftsarchitekten Ausgleichsflächen planen.

Voraussetzungen für Gemeinschaftsgärten

Die Voraussetzungen sind vertraglicher, personeller und finanzieller Natur.

  • Kampagne: Ein Gemeinschaftsgarten pro Veedel, getragen von allen Akteuren wie Gemeinschaftsgärten, Netzwerken, Grünflächen- und Umweltamt. Die bestehenden Gemeinschaftsgärten können dazu ihren Beitrag leisten, indem sie sich zu regelmäßigen Informationsveranstaltungen verpflichten. Dazu gehören jährlich mindestens vier Gartenfeste mit Führungen sowie vier Workshops zu Themen rund um ökologisches urbanes Gärtnern.
  • Charta der Kölner Gemeinschaftsgärten mit Regeln zu partizipativen Herangehensweisen und ökologischen, regionalen Standards, zu denen sich die Kölner Gemeinschaftsgärten verpflichten.
  • Bewusstsein für Gemeinschaftsgärten vertiefen: Das Netzwerk Gemeinschaftsgärten Köln organisiert zweimal im Jahr einen Tauschmarkt, bei dem Gärtner eigenes Obst, Gemüse, daraus verarbeitete Produkte, Saatgut, Pflanzen oder Wissen untereinander tauschen können.
  • Bessere Vernetzung mit Schul- und Kleingärten. Die Zusammenarbeit der Kölner Gemeinschaftsgärten mit Schul- und Kleingärten wird ausgebaut, z.B. durch regelmäßige Treffen. Die Kölner Gemeinschaftsgärten prüfen dafür die Möglichkeiten für Kooperationen auf Veedelsebene.
  • Ein Urban Gardening Handbuch Köln stellt Wissen für urbanes Gärtnern unter den Bedingungen der Region Köln zusammen.

Zusammenarbeit mit anderen Ansätzen

Eine Zusammenarbeit mit anderen Arbeitsgruppen ist an mehreren Stellen denkbar. So können Gemeinschaftsgärten sowohl in Kleingartenanlagen, auf Schulgeländen als auch auf Firmengeländen entstehen.

  • Eine Mitgartenzentrale: Gemeint ist eine Online-Plattform, über die Menschen mit und solche ohne Garten sich vernetzen können. Braucht jemand beispielsweise Hilfe bei der Pflege des eigenen Gartens, kann er diese über die Mitgartenzentrale finden. Umgekehrt können Menschen ohne Garten über die Mitgartenzentrale Zugang dazu finden. Der Kreisverband Kölner Gartenfreunde hat auch Interesse an solch einem Projekt. Dort gibt es Bedarf, besonders für alte Menschen, die die Pflege ihres Garten alleine nicht mehr leisten können.
  • Gemeinschaftsgärten in Kleingartenanlagen: Kleingartenvereine können Gärten für einen Gemeinschaftsgarten zur Verfügung stellen.
  • „Kölsche Körnchen”: Gemeinschaftsgärten stellen „Saatgut to go“ bzw. ein „Starterkit“ für gärtnerisch Interessierte zur Verfügung und tragen so zur Verbreitung der Essbaren Stadt bei.
  • Emissionschutzgrün: Gemeinschaftsgärten beteiligen sich an der Etablierung von Insektenweiden und Wildbienenhotels in Parks mit Unterstützung des Umweltamts der Stadt Köln.

2.3.1 Exkurs: Empfehlungen der AG Gemeinschaftsgärten für die systematische Förderung von Dachgärten in Köln

In Köln existieren zahlreiche Potenziale für Dachbegrünung bzw. Bauwerkbegrünung im Sinne der Essbaren Stadt. Intensive Dachbegrünung kann Nutzgärten verschiedenster Art, sogar Baumbepflanzung möglich machen. Für die Essbare Stadt können zahlreiche Dächer in Form eines Dachgartens bepflanzt und von Nachbarn und Hausbewohnern gemeinschaftlich genutzt werden.

Dachgärten haben darüber hinaus den Vorteil von Dachentwässerung und wirken sich positiv aufs Stadtklima aus. Ein großer Teil des anfallenden Niederschlags verdunstet an der Oberfläche von Substrat und Pflanzen und trägt dadurch zur Senkung der Temperaturen in der Stadt bei. Ein weiterer Teil des Wassers wird im Substrat oder ggf. in der Speicherschicht zurückgehalten. So kann bereits eine dünnschichtige Extensivbegrünung den Spitzenabfluss eines Dachs um 50 bis 70 % reduzieren – in einer hochwasserbedrohten Stadt wie Köln ein interessantes Potenzial. Zahlreiche Kommunen fordern deshalb mittlerweile in ihren Bebauungsplänen die Begrünung von Flachdächern als Ausgleich zur Versiegelung von Bodenflächen. Dies wäre auch für Köln wünschenswert.

Da Dachgärten begehbar sein müssen, ist in der Regel eine Baugenehmigung erforderlich. Neben den statischen Anforderungen umfasst eine fachgerechte Planung Fragen des Wurzelschutzes, der Begrünungsart, der Dachentwässerung, der Vegetation und der Pflege. An erster Stelle steht bei einer Dachbegrünung jedoch die Tragfähigkeit des Daches.

Bei Neubauten kann die zusätzliche Belastung im Bauentwurf berücksichtigt werden. Die Dimensionierung des Tragwerks entsprechend der gewünschten Bepflanzung wird im Rahmen der Planung (Statik) berücksichtigt. Bei allen anderen Gebäuden muss die Tragfähigkeit geprüft werden, bevor das Dach begrünt werden kann.

Empfehlung zur Förderung von Dachgärten im Rahmen der Stadtplanung:

  • Festlegung eines erforderlichen Anteils an zugänglichen Dachflächen in Köln, die gemeinschaftlich genutzt werden können.
  • Definition des notwendigen Anteils an Intensivbegrünung und Formulierung von sonstigen Mindestanforderungen bzw. Gestaltungsvorgaben
  • Entwicklung eines Bonussystems, das im Falle der Errichtung gemeinschaftlich nutzbarer Dachflächen zum Tragen kommt.

Förderung durch mediale Strategien

  • Wettbewerbe für die Gestaltung von Dachlandschaften im Wohnungsbau
  • Spezieller Bauherrenpreis für realisierte Dachgestaltungen im Wohnungsbau
2.4 Partizipative Landwirtschaft

Partizipative Landwirtschaft, oder Co-Farming, verbindet zwei Welten: Die professionelle, berufliche Produktion von Lebensmitteln mit dem Autonomie- und Do it Yourself / Do it Together-Ansatz der Essbaren Stadt. Hierbei geht sowohl um die tatsächliche gemeinschaftliche Produktion und Verteilung von Lebensmitteln als auch um Bildungsthemen und Gemeinschaft. Vor allem eine stärkere Beziehung zwischen Erzeuger*innen und Bürger*innen gehört zu den ganz großen Vorteilen solcher Modelle. Damit schaffen sie Vertrauen. Für die Umsetzung nachhaltigerer Entwürfe der landwirtschaftlichen Produktion, Verarbeitung und Vermarktung ist das die wichtigste Grundlage.

Sowohl für die Produktion, die Verarbeitung und die Vermarktung gibt es verschiedene partizipative Ansätze.

Beispiele für Partizipative Landwirtschaft

Produktion

Solidarische Landwirtschaft

Bei der Solidarischen Landwirtschaft schließen sich Menschen zusammen, um gemeinsam eine Fläche in Stadtnähe professionell zu beackern oder mit einem landwirtschaftlichen Betrieb zu kooperieren. Die Mitglieder erhalten Ernteanteile, d.h. die Ernte wird solidarisch geteilt.

  • Beispiele in Köln: Sowohl die Solawi Köln als auch die GemüseKoop sind Versorgungsgemeinschaften, die im Kölner Westen Gemüse anbauen. Die Mitglieder finanzieren gemeinschaftlich den Gemüseanbau für ein ganzes Wirtschaftsjahr, wobei sich der monatliche Beitrag am eigenen Ermessen orientiert. Das Gemüse wird wöchentlich an Ausgabestellen in der Stadt ausgeliefert.

Mietäcker

Bei Mietäckern legen berufliche Landwirte Ackerflächen an, auf denen eine Vielzahl von Gemüse wachsen. Die Kunden mieten einen Querschnitt daraus und sind die Saison über für die Pflege, Ernte und Neuanpflanzungen verantwortlich. Es gibt sowohl Anbieter aus der Region (Gartenglück) als auch Franchise-Systeme, bei denen lokale Landwirte die landwirtschaftlichen Aktivitäten übernehmen, die Vermarktung der Flächen von externen Anbietern vorgenommen wird (Meine Ernte, Ackerhelden)

  • Beispiele in Köln: Die Familie Ivanov vermietet als Gartenglück saisonweise fertig bepflanzte und rein ökologisch bewirtschaftete Ackerparzellen. Standorte sind: Weiden, Troisdorf, Sürth und Dellbrück. Jeder kann mitmachen, auch ohne gärtnerische Vorerfahrung: Gartengeräte, Wasser zum Angießen der Jungpflanzen und Informationen rund ums jahreszeitliche Gartengeschehen werden zur Verfügung gestellt, außerdem sind die Ivanovs zweimal wöchentlich zu einem festen Termin mit Rat und Tat auf der Fläche und veranstalten einen Jungpflanzenmarkt. Ähnlich wie Gartenglück bieten die Ackerhelden biozertifizierte und vorbepflanzte Mietgärten in Pulheim-Stommeln an. Ackerhelden gibt es bereits in 16 deutschen Städten.

Selbsternteflächen

Selbsternteflächen werden von Landwirt*innen angelegt und von interessierten Kund*innen beerntet. Der gängigste und bekannteste Fall ist sicherlich das Erdbeer-Selbsterntefeld. Unter dem Namen “Freiluft-Supermarkt” gibt es aber auch Anbieter, die eine Reihe unterschiedlicher Kulturen zur Selbsternte anbauen. So kann immer das geerntet werden, was man selbst am appetitlichsten findet.

Verarbeitung

Früher gab es in jedem Dorf ein Back- oder Kesselhaus in dem regelmäßig gemeinsam der Vorrat z.B. an Brot, Marmelade und Wurst erwirtschaftet wurde. Neue Ansätze des Do it Yourself und Do it Together können auch hier partizipative Ansätze aufgreifen und solche dörflichen Strukturen im urbanen Raum neu entstehen lassen.

Vermarktung

Fast die komplette Vermarktung von Lebensmitteln in den Städten wird derzeit durch Supermärkte übernommen. Damit übt der Lebensmitteleinzelhandel einen großen Einfluss darauf aus, was zu welcher Zeit in welcher Menge auf unseren Tellern liegt. Für mehr Regionalität und Saisonalität können Veedel auch eigene Vermarktungsstrukturen etablieren um essbarer zu werden.

  • Beispiele in Köln: Ein regionaler Wochenmarkt im Veedel, ein genossenschaftlich geführter Regionalladen, Food Coops und Marktschwärmereien.

Ziele für Partizipative Landwirtschaft

Bis 2020:

  • Jeder Kölner, jede Kölnerin kennt eine/n LebensmittelerzeugerIn persönlich.
  • In drei Veedeln von Köln gibt es einmal pro Woche einen gemeinschaftlich organisierten regionalen Bauernmarkt.
  • Gibt es zwei weitere Marktschwärmereien in Köln.
  • Verdopplung der Mietackerflächen in Köln. Idealerweise soll an jeder Straßenbahnlinie im Umland ein Mietacker existieren.
  • Verdopplung der Solawi-Flächen bzw. Kooperationen. Idealerweise sollte in jedem Stadtteil eine Solawi-Ausgabestelle existieren.

Bis 2025:

  • Betreibt die Stadt Köln eine stadteigene Solawi.
  • Gibt es drei Veedels-Backhäuser in Köln.
  • Gibt es jeweils sieben regionale Bauernmärkte und Marktschwärmereien.
  • Jede Schule bekommt eine Mietackerfläche für praktischen und theoretischen Ökologie- und Landwirtschaftsunterricht gestellt.
  • Die Mensa der Universität Köln betreibt einen eigenen Gemüseacker.
  • In jedem Veedel befindet sich eine Solawi-Ausgabestelle.
  • In jedem Veedel existiert in Parks und Kleingärten eine öffentlich zugängliche Ackerfläche zu Bildungszwecken.

Voraussetzungen für Partizipative Landwirtschaft

Voraussetzungen für die Weiterentwicklung der Partizipativen Landwirtschaft sind:

  • Schaffung von Vernetzungsmöglichkeiten von Landwirten, die Mietackerflächen bewirtschaften oder Solawis gründen wollen mit potentiellen Mitmacher*innen
  • Aufbau kleinteiliger landwirtschaftlicher Strukturen
    • Gewächshäuser für Jungpflanzenanzucht
    • Gruppen, die Saatgut vermehren
    • Gruppen die kleine Landmaschinen entwickeln
  • Schaffung von Multifunktionsräumen mit Küchen für Treffen, gemeinschaftliche Nahrungsmittelzubereitung und Läden, beispielsweise durch Zwischennutzungskonzepte.
  • Sinnvolle Radwegeführung und ÖPNV für eine schadstoffarme Belieferung der Menschen und Zugänglichkeit der Angebote am Stadtrand
  • Langfristig: saubere Böden und Luft in der Stadt

Politische Rahmenbedingungen für Partizipative Landwirtschaft

Die Partizipative Landwirtschaft kann durch die folgenden Maßnahmen gefördert werden:

  • Vernetzungsstelle für Partizipative Landwirtschaft einrichten.
  • Bestehende Ackerflächen gesetzlich schützen, insbesondere in gut angebundener Lage (auch vor Ausgleichsmaßnahmen).
  • Richtlinien für Boden- und Luftschadstoffe verschärfen, um neue Flächen für den Gemüseanbau zu erschließen. In diesem Zusammenhang sollte auch der städtische Autoverkehr reduziert werden. zum Beispiel indem Fahrbahnen und Parkplätze reduziert oder Geschwindigkeiten gesenkt werden. 
  • Bildungsmaßnahmen: Ökologie- und Landwirtschaftslehre in Lehrpläne integrieren, um zukünftige Generationen von klein auf an die Landwirtschaft heranführen.

Zusammenarbeit mit anderen Ansätzen:

  • Ansätze von Partizipativer Landwirtschaft könnten in die Kölner Gartenlabore des Grünflächenamtes im rechtsrheinischen Köln integriert werden.
  • Die Arbeitsgruppen und andere Akteure des Stadtgrüns kooperieren in jedem Veedel bei der Nutzung der Ackerflächen zu Bildungszwecken.
2.5 Privates Gärtnern

Private Grünflächen leisten einen erheblichen Beitrag für Klima- und Lebensqualität im urbanen Raum. Zierpflanzen, Rasenflächen, Teichanlagen und Bäume filtern Schadstoffe aus der Luft, regulieren Klimaschwankungen und verschönern die Stadt. Auch werden auf privaten Flächen Lebensmittel angebaut, so im eigenen Garten oder Kräuter auf Balkonen, allerdings in geringerem Umfang als in der Vergangenheit. 

Selbstversorgerische Aktivitäten erleben seit einigen Jahren eine Renaissance, besonders bei Familien mit kleineren Kindern. Auch in Privatgärten wird vielerorts wieder Essbares zwischen exotische Stauden geschmuggelt. Auf Fensterbrettern werden Kräuter und Pflücksalat geerntet, Tomaten auf dem Balkon. Wildblumen und Insektenhotels bieten Bestäubern Nahrung und ein artgerechtes Zuhause. Und der Anblick eines Bauerngartens weckt selbst in überzeugten Urbanisten eine fast vergessene Sehnsucht.

Privates Gärtnern ist oft logistisch relativ einfach – da anders als bei gemeinschaftlichen oder öffentlichen Flächen nicht über die Nutzung von Flächen verhandelt werden muss und Lagermöglichkeiten für Geräte und Wasseranschlüsse vorhanden sind. Auch müssen keine Verantwortlichkeiten, Pflanzpläne etc. mühsam in der Gruppe abgestimmt werden, die Identifikation mit dem eigenen Garten ist entsprechend hoch. Zudem können beim Gärtnern im Eigentum Themen wie Bodenaufbau, Pflanzung von Obstbäumen etc. langfristig und gesichert angegangen werden. Auf der anderen Seite sind private Gärtner oft auf sich allein gestellt und müssen sich Wissen über Anbaumethoden und Saatgut selber organisieren.

Ziele für privates Gärtnern

  • Bis 2020 soll ein Viertel, bis 2025 ein Drittel aller privaten Gärten, Balkone und Dachterrassen mit Essbarem bepflanzt sein.
  • Bis 2020 soll es fünf Pilotversuche der Essbaren Fassadenbegrünung in Köln geben. 
  • Bis 2025 sollen 10 % bisher versiegelte private Fläche entsiegelt sein (Vergleichsjahr 2018).
  • Bis 2025 sollen 10 % private belastete Böden saniert sein (z.B. durch Phytosanierung), damit sie für gärtnerisch-landwirtschaftliche Zwecke verfügbar sind (Vergleichsjahr 2018).

Um die oben dargestellten Ziele zu erreichen, schlagen wir folgende Aktivitäten vor:

  • Beteiligung fördern: 2020 könnte ein Essbare Stadt-Preis für den schönsten, originellsten, nachhaltigsten, essbaren Privatgarten oder Balkon in Köln ausgelobt werden.
  • Weiterbildungsangebot, z.B. von Kleingartenverband, der VHS oder in den Gemeinschaftsgärten, sollen auch für private Gärtner geöffnet und gezielt beworben werden.
  • Die essbare Bepflanzung von Fensterbrettern und Balkonen soll mit einer Kampagne beworben werden. Denkbar sind dabei:

Ein kostengünstiges Starterset für die Balkon- und Fensterbrettbepflanzung für eine Saison, bestehend aus einem Pflanzkasten aus Presskarton mit Erde, regionalem Saatgut sowie einer Anleitung für Anfänger.

Die Durchführung von “Balkon-Karawanen”, bei der jede Woche auf einem anderen Balkon gemeinsam gegärtnert sowie Information ausgetauscht werden.

Die Identifizierung von kahlen, unbepflanzten Balkonen und Fenstern in der eigenen Straße und Verteilung von Flyern, wie sie mit Pflanzen aussehen könnten.

  • Das gemeinschaftliche Gärtnern auf privaten Flächen soll gefördert werden. Beispielsweise könnte über die Onlineplattform “Arbeitsbeteiligung gegen Erntebeteiligung” oder die Übergabe privater Grünflächen, die nicht bewirtschaftet werden, an Gärtner ohne Fläche vermittelt werden.
  • Um privates Kompostieren zu fördern, soll eine Broschüre erstellt werden, die über Wurmkisten und Bokashi auf dem Balkon und Stellen, an denen Gartenbesitzer Bioabfälle abliefern und privaten Kompost beziehen können, informiert.
  • Bis 2020 soll eine partizipative, dynamische Online-Plattform eingerichtet werden, die Angelegenheiten von Landpflege und Pflanzenbau im urbanen Raum zusammenfasst und darstellt. Diese soll Geodaten und qualitative Daten zu Beständen und Entwicklung heimischer Pflanzen- und Insektenarten umfassen, Potenzialerhebung, Ausweisung von Flächen, Akteuren und Aktivitäten, Kennzeichnung von Best Practice Beispielen, etc.
  • Bis 2020 soll eine Informations- und Beratungsstelle, in privater oder öffentlicher Trägerschaft, für gärtnerische Angelegenheiten im urbanen Raum eingerichtet sein, die Schritt für Schritt erweitert und dem Bedarf angepasst wird. Diese könnte auch Patenschaften vermitteln zwischen Menschen, die keinen eigenen Garten haben und solchen, die ihren eigenen Garten nicht (mehr) bewirtschaften können.

Politische Rahmenbedingungen für privates Gärtnern

Auch wenn privates Gärtnern erstmal keine städtische Angelegenheit ist, gibt es doch eine Reihe von Maßnahmen, die seitens städtischer Stellen getroffen werden können, um Freiräume für die Essbare Stadt im privaten zu schaffen und den Anbau von Lebensmitteln zu fördern.

Dazu gehören die folgenden Maßnahmen:

  • Zivilgesellschaftliche Informations- und Aufklärungsprojekte fördern, wie die Entwicklung einer partizipativen Vernetzungsplattform oder von Kampagnen für mehr essbares privates Grün.
  • Gärtnern genehmigen: Die teilweise bestehenden Verbote von Wohnungsbaugesellschaften und Vermietern, Fenster und Balkone von Mietwohnungen zu bepflanzen, sollten neu verhandelt und geregelt werden. Insbesondere kommunale Unternehmen und Genossenschaften können hier ein Zeichen setzen.
  • Bis 2025 sollten die Emissionen aus dem Verkehr und lokaler Industrie soweit reduziert sein, dass ein Anbau von Lebensmitteln auf urbanen Flächen problemlos möglich ist – quasi eine “essbare Verkehrswende“.
  • Bei Baugenehmigungen soll ein gewisser Anteil an bepflanzbarer Fläche vorgegeben werden.
  • Dachterrassen und Fassadenbegrünung sollten zügig bewilligt und mit Auflagen zu essbarem Grün / Insektenweiden / etc. versehen werden.
  • Subvention: Private Bodenentsiegelungen und -sanierungsmaßnahmen sollen von der Stadt ohne bürokratische Hürden bewilligt und ggf. subventioniert werden. Bereitstellung von Fördermitteln zur Begrünung von Fassaden und Dächern mit essbarem Grün.

Zusammenarbeit der AG Gemeinschaftsgärten mit anderen Ansätzen

Manchem der gerne Gärtnern würde, fehlt die Fläche, andere haben Flächen und aus irgendwelchen Gründen nicht oder nicht mehr die Möglichkeit, diese mit Nutzpflanzen zu bewirtschaften. Hier kann das private Gärtnern vom gemeinschaftlichen Gärtnern lernen, wie etwa durch Gartenpatenschaften. Gerade im Austausch mit Gemeinschaftsgärten erleben sich Privat- und Balkongärtner unverhofft als Pioniere und Ratgeber.

Des Weiteren ist eine Zusammenarbeit mit folgenden Gruppen denkbar:

  • Klein- und Gemeinschaftsgärtner (für Seminare, Workshops und Beratung)
  • IT-Entwickler (für den Aufbau der Online-Plattform)
  • Hochschulen, Wissenschaft und Design (für Datenerhebung und Auswertung, die Entwicklung von Konzepten zu Produkt- und Serviceleistungen, Phytosanierung, Bewässerungsmangement)
  • Architekten, Stadtplaner, Verkehrsplaner
2.6 Firmengärten

Firmengärten können mehr sein als gut gepflegte Rasenflächen mit schönen Blumenbeeten. Ein „Essbarer Firmengarten“ kann ein Ort der Begegnung und des gemeinsamen Lernens sein, der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Unternehmens auf neue Art zusammenbringt.

Essbare Firmengärten befinden sich auf oder in der Nähe des Firmengeländes – zum Beispiel im Innenhof oder auf einer Dachterrasse. Oft werden sie von professionellen Gärtnern angelegt und gepflegt, im besten Fall gärtnern die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aktiv mit und bringen sich in den Garten ein. In vielen Fällen geben sie sogar den ersten Impuls, Essbares auf dem Firmengelände zu integrieren.

Beim Griff in die Erde kommen sich Menschen besonders nah, auch über Hierarchiestufen hinweg. Hier lernt der Gartenneuling aus der Chefabteilung noch was vom gartenerfahrenen Pförtner. Auch in der Außendarstellung können Firmengärten eine Rolle spielen und zeigen, dass und wie das Unternehmen Verantwortung für Umwelt und Mitarbeiter übernimmt.

Pioniere bei Firmengärten sind oft Unternehmen, die sich intensiv mit Lebensmitteln beschäftigen, zum Beispiel Bioproduzenten die ihren Besuchern Anbaumethoden direkt erfahrbar machen wollen. Aber prinzipiell eignen sich Firmengärten für alle Arten von Unternehmen: Von der kleinen Webagentur, die sich Pflanzkiste in den Hof stellt hin zu Großunternehmen, die ihre umfangreichen Außenanlagen nutzen

Die Ernte können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit nach Hause nehmen – oder die Kräuter und Karotten finden sich im Kantinenessen wieder.

Beispiele für Firmengärten

  • KVB-Imkerei
  • DLR- und GIZ-Mitarbeitergärten in Bonn

Ziele für Firmengärten

Bis 2020

  • sollen Erste Pilotprojekte in städtischen oder stadtnahen Unternehmen (beispielsweise KVB, RheinEnergie, Sparkasse) gestartet werden.
  • sollen Pilotprojekte in privaten Unternehmen beworben werden. Um schnell Unternehmen zu akquirieren sollen zuerst Unternehmen angesprochen werden, die ein existierendes Interesse an entsprechenden Themen haben (Carsharing-Anbieter, Krankenhäuser etc.).

Bis 2025

  • soll es 10 Firmengärten in Köln geben. Dabei sollen mindestens 2 Gärten in größeren Unternehmen umgesetzt werden.
  • setzen zentrale Netzwerk-Akteure im Bereich Kölner Unternehmen eine Infokampagne zu Firmengärten um (jährliche Infoveranstaltung, Berichterstattung etc.).

Da Firmengärten in Köln bisher wenig verbreitet sind, ist es wichtig, zeitnah Pilotprojekte auf den Weg zu bringen. Firmengärten sprechen neue Zielgruppen an und sind daher ein attraktives Instrument, um Ansätze der Essbaren Stadt breiter bekannt zu machen.

Voraussetzungen und Maßnahmen für Firmengärten

Firmengärten hängen zentral davon ab, ob Unternehmen in Köln die Initiative ergreifen und entsprechende Projekte planen.

Um die Ziele zu erreichen, braucht es daher primär Maßnahmen der Bewusstseinsbildung und des Austauschs. Hierzu braucht es eine Veranstaltungsreihe zu Firmengärten von einem zentralen Netzwerk-Akteur, zum Beispiel unter Schirmherrschaft der IHK, mit gezielter Pressearbeit. Zudem kann die Idee von Firmengärten über die bestehenden Netzwerke von Urbanen Gärten, Kleingartenvereinen etc. kommuniziert werden, um direkte Kontakte in Unternehmen über engagierte Gärtner zu bekommen.

Politische Rahmenbedingungen für Firmengärten

Da Firmengärten zentral von den jeweiligen Unternehmen getragen werden, gibt es wenige Anforderungen an die Stadt. Sollten städtische Bewilligungen, zum Beispiel Baugenehmigungen, notwendig werden, ist eine zeitnahe und flexible Genehmigungspraxis ein wichtiger Beitrag, Projekte schnell ans Laufen zu bekommen. Dazu kann die Stadt symbolisch Zeichen für Firmengärten setzen – und selber als Stadt und in den städtischen Unternehmen mit Gartenprojekten aktiv werden.

Zusammenarbeit mit anderen Ansätzen:

Urbane Gemeinschaftsgärten können als Partner und Berater für Firmengärten fungieren, da sie wichtiges Wissen über Abläufe und Prozesse in gemeinsamen Gärten besitzen – auch, was den partizipativen Aufbau, die gemeinschaftliche Organisation und den Wissensaustausch angeht. Zudem sind manche Firmengelände öffentlich zugänglich – hier lassen sich Projekte in Kooperation mit der Nachbarschaft oder Einrichtungen der Umgebung realisieren.

2.7 Kleingärten und Kleingartenvereine

In Kleingärten, auch Schrebergärten genannt, wird die Essbare Stadt gelebt – seit bereits mehr als 200 Jahren. Zahlreiche Generationen haben hier in der Stadt ihre grüne Oase gefunden. Kleingärten sind damit ein etabliertes Instrument, die Ziele der Essbaren Stadt zu erreichen:

  • Multikultureller Austausch: Kleingärten dienen für Kölner Bürger*innen als Treffpunkt und Kommunikationsort unterschiedlicher Kulturen und sozialer Gruppen. Hier findet ein aktives Miteinander vieler Nationalitäten und gemeinschaftliches Lernen statt.
  • Gesundheitsorte: Kleingärten sind Orte für Freizeit und Erholung, Bewegung und Sport im Freien. Die Schadstoffbelastung durch Feinstaub, Stickoxide etc. wird durch die Kleingärten reduziert. Jede Pflanze trägt hierzu bei.
  • Lernorte: Kleingärten bieten Sinnes- und Naturerfahrung aus erster Hand für Kinder und Erwachsene.
  • Biodiversität: Kleingärten schützen und sichern Lebensräume in der Stadt.
  • Anbaufläche: Kleingärten erzeugen Lebensmittel in der Stadt – so muss 1/3 jeder Gartenparzelle mit Nutzpflanzen bewirtschaftet werden.
  • Artenreiche Biotope: Kleingärten sichern den Lebensraum für Pflanzen und Tiere
  • Kleingärten ermöglichen das naturnahe Gärtnern sowie Praktiken der Art- und Saatguterhaltung.

Gleichzeitig stehen Kleingärten unter Anpassungsdruck. Die wachsende Stadt beansprucht Flächen, der demographische Wandel und die gesellschaftliche Flexibilisierung sind eine Herausforderung. Der Ruf nach Offenheit und Transparenz geht auch an Kleingärten nicht vorbei. Mit den hier vorgestellten Zielen soll der Beitrag von Kleingärten zur Essbaren Stadt gesichert werden – und neue Akzente gesetzt werden, zum Beispiel bei Themen wie Biodiversität oder Offenheit von Kleingartenanlagen.

Beispiele für bestehende Kleingarten Projekte

Bremen

In Bremen hat der Landesverbandes der Gartenfreunde Bremen e.V. ein Lerngarten-Netzwerk etabliert, um grüne Lernorte für Kinder in Bremer Kleingartenanlagen zu schaffen. Mehr dazu unter: http://www.gartenfreundebremen.de/fileadmin/user_upload/2283_BroschuereAnsicht.pdf

Internationaler Bürgergarten Habinghorst

2011 kaufte die Stadt Castrop-Rauxel eine 1350m² große Fläche und initiierte in Zusammenarbeit mit dem Stadtteilbüro den Internationalen Bürgergarten Habinghorst – Ein wunderbares Beispiel für das integrative Potenzial von Kleingärten. Multikulturelle Vereine bilden den Trägerverein und kümmern sich seither um das Projekt – die Fläche wird von Gärtner*innen mit deutschen, türkischen, bosnischen, polnischen, nepalesischen und thailändischen Wurzeln beackert. Interkulturelles Verständnis entsteht so als Nebenprodukt des gemeinsamen Gärtnerns.

Ziele für Kleingärten und Kleingartenvereine

Ziele bis 2020

  • Flächenerhalt: Die bestehende Gesamtfläche der Kölner Kleingärten soll gesichert werden. Wo Flächen wegfallen soll ein gleichwertiger Ersatz geschaffen werden.
  • Schaffung von neuen Kleingartenflächen: Nur circa 66 % der Interessent*innen in Köln bekommt einen Kleingarten. Schon um diesen Prozentsatz zu halten muss die Anzahl der Kleingärten um 10 % gesteigert werden. Dies geht nicht nur durch Verdichtung alter Anlagen, sondern es müssen neue Flächen ausgewiesen werden.
  • Zugänglichkeit: Freie Parzellen sollen einfacher vergeben werden, zum Beispiel über ein Online-Portal. Der Anteil nicht vergebener Flächen, meist in den Außenbezirken, soll reduziert werden.
  • Gruppenverträge: Es soll mehr Pachtverträge für Gruppen, Vereine oder Schulen geben, um neue Personen und Zielgruppen an Kleingärten und die Essbare Stadt Köln im Allgemeinen heranzuführen. Perspektivisch soll in jeder Anlage mindestens ein Garten an Gruppen vergeben werden.
  • Naturnahes Gärtnern: Die Akzeptanz von naturnahem Gärtnern (Kompost, Verzicht auf künstliche Düngemittel und Pflanzenschutz, etc.) soll gesteigert und Praktiken des naturnahen Gärtnerns in den Kölner Kleingartenanlagen umgesetzt werden.
  • Förderung der Biodiversität: Der Einsatz vielfältiger und insbesondere bedrohter alter Sorten und Arten in den Kölner Kleingartenanlagen soll gefördert werden.
  • Imkerei: Kleintier- und Bienenhaltung soll einfacher gemacht und genehmigt werden, um die Imkerei in Kleingärten zu stärken.
  • Förderung der Tauschkultur: In Kleingärten sollen mehr Saatgut, Pflanzen, Obst & Gemüse getauscht werden. So könnten in ganz Köln Tauschtage eingeführt werden, die zentral kommuniziert werden und in teilnehmenden Gartenanlagen umgesetzt werden.
  • Vernetzung: Die Kleingärtner, Kleingartenvereine & Vereinsvorstände sollten gut untereinander vernetzt sein. Dies könnte durch eine gemeinsame Homepage mit thematisch passenden Terminen und Angeboten geschehen (z.B. Kurse von Kleingärtnern für Kleingärtner, Weiterbildungsangebote des Kreisverbands, Tausch-Angebote, etc.). Auch die Kommunikation zwischen Kreisverband und Kleingärtnern soll verbessert werden.
  • Aktiver Lehrgarten: Im Lehrgarten des Kölner Kreisverbandes soll dauerhaft ein umfangreiches Seminar- und Veranstaltungsprogramm angeboten werden. Mögliche Themen wären Gehölzschnitt, Kompostierung, Saatgutgewinnung, Sortenvielfalt, Wildpflanzen und -kräuter, wildbienen- und insektenfreundliches Gärtnern.
  • Anpassung der Gartenordnung: Kleingärten unterliegen diversen Regularien – vom Bundeskleingartengesetz bis zur Vereinssatzung. Diese sollten an die heutigen Bedingungen und den oben dargestellten Zielen angepasst werden – unter den Stichworten Generationswechsel, Naturschutz und Ökologie.

Ziele bis 2025

  • Steigerung der Kleingartenflächen: Die Kleingartenflächen im Stadtgebiet sollen analog zur Kölner Bevölkerung wachsen.
  • Imageverbesserung des „Schrebergartens“: Die Kölner Kleingartenvereine sollen als innovative und offene Akteure in der Essbaren Stadt Köln breit anerkannt sein.
  • Anerkennung als Ausgleichsflächen: Ökologisch aufgewertete Kleingartenanlagen sollen als ökologische Ausgleichsflächen anerkannt werden. Dies setzt einen Anreiz Flächen zu schaffen und dauerhaft zu bewahren und erkennt den Beitrag der Kleingärten zur Biodiversität und der Stabilisierung des Stadtklimas an.
  • Kleingartenpark: Eine Kleingartenanlage soll durch besonders zugängliche und attraktiv gestaltete öffentliche Flächen als Kleingartenpark ausgebaut und bekannt gemacht werden.
  • Kleingartenbeirat: Ein Kleingartenbeirat soll eingerichtet werden und zwischen Kleingärten und Stadt vermitteln. Dieser soll zur Sicherung und Förderung der Kleingärtenstruktur beitragen, wozu er Empfehlungen und Stellungnahmen entwickelt.

Maßnahmen für Kleingärten und Kleingartenvereine

Konkret sind für 2018 die folgenden Projekte geplant:

  • Arterhaltungs- und Biodiversitätsprojekt: Kölner Kleingärtner bauen seltene Tomaten- und Bohnensorten an und erzeugen daraus Saatgut, welches im nächsten Jahr wieder zur Verfügung gestellt werden kann. Die Zusammenarbeit mit dem Saatgutfestival, zwei Seminare zum Thema Saatguterzeugung im Lehrgarten des Kreisverbandes durch Birgit Scherer (Biogarten Thurner Hof), und die Einrichtung eines Newsletters, soll dies ergänzen.
  • Anerkennung von Ausgleichsflächen: Die Anerkennung von ökologisch aufgewerteten Flächen innerhalb von Kleingartenanlagen ist eine große Chance für die Flächensicherung der Kleingärten. Bisher gibt es dazu Gespräche auf Bundesebene sowie ein kleines Beispielprojekt in Duisburg. In Köln gibt es einige mögliche Flächen, die auf Eignung überprüft werden sollen. Hierfür nötige Akteure sind der Kreisverband, der Vereinsvorstand, Vertreter der unteren Naturschutzbehörde (Umweltamt) und ein Vertreter des Amtes für Landschaftspflege und Grünflächen der Stadt Köln.
  • Vernetzung der Gärtner untereinander: Es soll zeitnah eine überregionale Kleingarten-Facebookgruppe erstellt werden.

Voraussetzungen für Kleingärten und Kleingartenvereine

Die Maßnahmen erfordern eine enge Zusammenarbeit mit dem Kreisverband Kölner Gartenfreunde und dem Bundesverband Deutscher Gartenfreunde, der Stadt Köln – Grünflächenamt, Umweltamt, untere Naturschutzbehörde – sowie Vorständen von Kleingartenanlagen, die ein Interesse daran haben, die Ziele gemeinsam zu verfolgen. Teilweise besteht schon Kontakt, mit viel positivem Feedback. Gebraucht werden zusätzliche Menschen, die sich engagieren wollen, insbesondere auch Vorstände aus Kleingartenvereinen.

Politische Rahmenbedingungen für Kleingärten und Kleingartenvereine

  • Die Sicherung und Schaffung von Kleingärten in der Stadt muss aus sozialen und ökologischen Gründen ein zentrales stadtentwicklungspolitisches Ziel werden.
  • Die Sicherung und Entwicklung von Grünflächen – insbesondere Kleingärten – muss in die Programme der Städtebauförderung aufgenommen werden.

Querschnittsthemen für Kleingärten und Kleingartenvereine

Zahlreiche Maßnahmen, um Biodiversität und Artenvielfalt zu fördern, lassen sich mit Zielen in den anderen Gruppen und bestehenden Aktivitäten verbinden – wie der Saatguttauschbörse. Auch im Bereich der Dachbegrünung oder der Schaffung ökologischer Ausgleichsflächen lassen sich Anknüpfungspunkte finden.

Eine Mitgartenzentrale Köln kann vom Kreisverband Kölner Gartenfreunde initiiert und vom Netzwerk Gemeinschaftsgarten mitgestaltet werden.

3. AUSBLICK

3.1 Nächste Schritte

Nach der Veröffentlichung des Aktionsplans am 14. April 2018. Der dort legitimierte Text wird in einer Kurzversion im Juni in einer Broschüre “Essbare Stadt Köln” veröffentlicht. Ein großes Dankeschön an alle Akteure, die sich in der Entwicklung des Konzeptes eingebracht haben! Ohne sie wäre das nie möglich gewesen.

Nun gilt es in einem nächsten Schritt, all diese Ideen gemeinsam in die Tat umzusetzen. Dafür ist es wichtig, auf Grundlage des Aktionsplans politische Entschlüsse zu erwirken, die dessen Umsetzung unterstützen. Darüber hinaus bleibt es essentiell, dass eine engagierte Bürgerschaft dieses Projekt unterstützt, in die Wege leitet und weitere konkrete Vorschläge unterbreitet. Der Aktionsplan kann und soll in Bewegung bleiben.

3.2 Kontakt und Anlaufstellen

Anlaufstellen online:

● Projektwebsite Essbare-Stadt.koeln (im Aufbau)

● Projektwebsite Ernährungsrat: www.ernaehrungsrat-koeln.de/ausschussurbane-landwirtschaft/

● Projektwebsite Agora Köln: www.agorakoeln.de/projekte/

Für den Austausch und die gemeinsame Arbeit nutzen wir die folgenden Online-Gruppen:

● Wechange-Gruppe Essbare Stadt Köln (Gemeinsame Arbeitsplattform):

https://wechange.de/project/essbare-stadt-koln/

● Facebook-Gruppe Essbare Stadt Köln (Infoaustausch, Ankündigungen etc.):

https://www.facebook.com/groups/197213464133259/

Kontakte

Ernährungsrat für Köln und Umgebung:

Sprecherinnen des Ausschusses Essbare Stadt/Urbane Landwirtschaft:

● Dorothea Hohengarten und Mildred Utku:

urbanelandwirtschaft@ernaehrungsrat-koeln.de

Projektmitarbeitende Essbare Stadt Köln:

● Frank Bowinkelmann: frank.bowinkelmann@ernaehrungsrat.koeln

● Britta Eschmann: britta.eschmann@ernaehrungsrat.koeln

Agora Köln:

Projektassistenz Essbare Stadt Köln

● Sarah Mewes: essbarestadt@agorakoeln.de

3.3 Termine

Ankündigungen der nächsten Treffen findet ihr im Netz oder durch die Newsletter des Ernährungsrat Köln oder der Agora Köln.

Eine Publikation des Ernährungsrat für Köln und Umgebung / taste of Heimat e.V. und der Agora Köln / Institut Cultura 21 e.V.

Der Beitrag der Agora Köln wird realisiert mit freundlicher Unterstützung der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen

3.1 Nächste Schritte

Nach der Veröffentlichung des Aktionsplans am 14. April 2018. Der dort legitimierte Text wird in einer Kurzversion im Juni in einer Broschüre “Essbare Stadt Köln” veröffentlicht. Ein großes Dankeschön an alle Akteure, die sich in der Entwicklung des Konzeptes eingebracht haben! Ohne sie wäre das nie möglich gewesen.

Nun gilt es in einem nächsten Schritt, all diese Ideen gemeinsam in die Tat umzusetzen. Dafür ist es wichtig, auf Grundlage des Aktionsplans politische Entschlüsse zu erwirken, die dessen Umsetzung unterstützen. Darüber hinaus bleibt es essentiell, dass eine engagierte Bürgerschaft dieses Projekt unterstützt, in die Wege leitet und weitere konkrete Vorschläge unterbreitet. Der Aktionsplan kann und soll in Bewegung bleiben.

3.2 Kontakt und Anlaufstellen

Anlaufstellen online:

  • Projektwebsite Essbare-Stadt.koeln (im Aufbau)
  • Projektwebsite Ernährungsrat: www.ernährungsrat-köln.de/ausschuss-urbane-landwirtschaft/
  • Projektwebsite Agora Köln: www.agorakoeln.de/projekte/

Für den Austausch und die gemeinsame Arbeit nutzen wir die folgenden Online-Gruppen:

Kontakte

Ernährungsrat für Köln und Umgebung:

Sprecherinnen des Ausschusses Essbare Stadt/Urbane Landwirtschaft:

Projektmitarbeitende Essbare Stadt Köln:

Agora Köln:

Projektassistenz Essbare Stadt Köln

3.3 Termine

Ankündigungen der nächsten Treffen findet ihr im Netz oder durch die Newsletter des Ernährungsrat Köln oder der Agora Köln.