Die Nachbarschaft hat sich den einstmals brach liegenden Ebertplatz zurückerobert und vielfältig gestaltet. Die AG Begrünung bietet schon seit längerer Zeit Führungen an, um Interessierten die Kunstprojekte und Bepflanzungen näher zu bringen. Am 14. September 2019 fand eine der ersten offiziellen Touren im Rahmen von „Essbare Stadt – durch große und kleine Gärten“ statt, die von Jürgen Häns und Gabriele Fauser geleitet wurde, die sich mit vielen Mitstreiter*innen emsig für diesen Ort einsetzen. Ein großer Schritt nach vorne war die erneute Inbetriebnahme des Brunnens, der 15 Jahre lang stillgelegt war und bei dem es sich um eine „wasserkinetische Plastik“ des Kölner Künstlers Wolfgang Göddertz handelt. „Der hat gleich da drüben mit Blick auf den Ebertplatz gewohnt“, erzählt Jürgen Häns. Der Brunnen hat als Wasserspielplatz eine nahezu magische Anziehungskraft auf Kinder. Durch den Gastro-Container ist für Speisen und Getränke gesorgt: „Und gleich dahinter, etwas versteckt“, zeigt Häns, „kann man sich jetzt auch kleinere Sportgeräte ausleihen“. Es gibt auch etliche Sitzgelegenheiten, die zum Verweilen einladen.

Als die Gruppe am Staudenbeet steht, das sich in der Ecke Nähe Hansaring und Neußer Straße befindet, erinnert sich Häns an die Anfänge am 17. Mai 2018. Die Gartenfreunde hatten damals gedacht, sie könnten hier einfach nur pflanzen, aber sie mussten erst 20 bis 30 Zentimeter Erde abtragen und brachten erstaunliche Funde ans Tageslicht, darunter kleine Flaschen, deren Marke es gar nicht mehr gibt. Erst dann konnte gegärtnert werden. Auch wenn die Stauden mittlerweile verblüht sind, werden sie so lange wie möglich stehen gelassen, damit Insekten dort überwintern können. Der Begriff „essbar“ gilt für Mensch und Tier gleichermaßen und aufgrund des drastischen Rückgangs der Insektenpopulationen sind solche Rückzugsgebiete bedeutsam.

Der Platz beherbergt auch eine Reihe von Wildblumenbeeten: „Die sehen aber nicht so aus, wie viele sich einen Garten vorstellen und werden nicht von allen geschätzt“, sagt Häns und klaubt zwei Zigarettenstummel aus einem Beet. Die Wildblumenbeete ziehen aber Insekten an, die sich hier wieder etwas zahlreicher einfinden. Die Insekten-Expertin Gabriele Fauser versucht das zu dokumentieren, aber wenn die nicht für einen Augenblick stillhalten, ist es angesichts der vielen Unterarten nicht immer möglich, sie zu bestimmen.

Die neueste Errungenschaft ist der Sinnesgarten, der von einer nahegelegenen Kita angelegt wurde. Die Pflanzen sind in den letzten Wochen unwahrscheinlich gewachsen. „Kräuter sind widerstandsfähiger, als man meint“, erfahren wir, „einige blühen auch noch kurz vor dem Winter“. Um das Überleben der Pflanzen zu gewährleisten, wurde gerade letzten Sommer, als so schlimme Trockenheit herrschte, sehr viel gegossen. „Allein 10 Eimer Wasser pro Baum“, erzählt Häns. So wurden die Pflanzen am Leben gehalten. Gabriele Fauser freut sich insbesondere über jedes Insekt: „Da ist eine Wanze“, strahlt sie, „die ist noch sehr jung“. Die klettert gerade eine Königskerze herauf und glitzert recht farbenprächtig in der Sonne. „Wanzen saugen Pflanzensäfte aus, aber solange sie nicht in großer Zahl auftreten, passiert nichts“, erklärt Fauser. Das winzige Wesen steht im Gegensatz zu den drei verschiedenen Mammutbäumen, die am Ebertplatz stehen, der über 27 verschiedene Baumarten verfügt.

Die Tour geht weiter in den Schulgarten der Abendrealschule im Kunibertsviertel in der Dagobertstraße. Diese verfügt über einen wunderbaren Tropengarten, einen Kräutergarten, viele weitere Pflanzen und selbstgebaute Insektenhotels und Vogelnester. Er ist durch einen Zaun von der Straße aus sichtbar, aber relativ geschützt, und Teil der Schulprojekte.

Die Einbeziehung möglichst vieler Bürger und Bürgerinnen ist ein wichtiger Bestandteil der Aktionen der Essbaren Stadt. Die Führung durch den Ebertplatz und zum Schulgarten zeigt, wie weit man es mit entsprechendem Engagement bringen kann. Beim Ebertplatz gibt es auch gelegentlich Rückschläge: „Aber wenn wir von 10 Sachen zwei bis drei verwirklichen können, dann ist das in Ordnung“, meint Häns.

 Weitere Essbare-Stadt-Führungen unter: http://www.essbare-stadt.koeln/termine-2/

Text: Helga Fitzner

Fotos: Mildred Utku